Amelia Island 2026

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VonStefan Grundhoff

10. März 2026

Laß‘ die Sonne rein

Neben der Großveranstaltung von Pebble Beach im August ist der Amelia Island Concours der begehrteste amerikanische Autoevent. Millionenschwere Versteigerungen, lässiger Fantreff und exklusiver Concours – das alles gibt es so nur im floridianischen Frühling. 

„Und …. Verkauft“, haucht Auktionatorin Lydia Fenet sanfter als die meisten ihrer männlichen Kollegen in den Saal des edlen Ritz-Carlton Hotels, „dieser Porsche 959 S verkauft für 5,5 Millionen Dollar.“ insbesondere jüngeren Sportwagen gingen bei der Versteigerung des Auktionshauses Broad Arrow weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Hier ein weißer Porsche 959 Sport für 5,5 Millionen; kaum weniger imposant ein roter Ferrari Monza SP2 für 4,7, ein Lamborghini Miura SV für 6,6 und der hellblaue Porsche Carrera GT für unglaubliche 6,7 Millionen US-Dollar. Allein Broad Arrow setzte in Amelia Island am Wochenende mehr als 107 Millionen US-Dollar um. Neben exklusiven Klassikern sind Allerweltsautos immer beliebter – hier ein weißes VW Golf Cabrio, dort ein Porsche 968 und dann gehen die Hände hoch, als ein dunkler Mercedes 560 SEL der Baureihe W126 auf die Bühne rollt.

Keine 500 Meter weiter steht Adam mit seiner verspiegelten Sonnenbrille neben seinem blassgrünen Lada Niva aus dem Jahr 1990. Der Russland-Offroader ist übersäht mit Rostblasen. Eines der ungewöhnlichsten Fahrzeuge beim alternativen Radwood Festival, neben den Versteigerungen und dem exklusiven Concours wohl der meistbesuchte Event von Amelia Island. „Ich habe den Niva 1600 vor vier Jahren von einem Typen in Illinois gekauft und finde ihn einfach großartig“, strahlt der Autofan aus den Neuenglandstaaten, „es ist zwar immer etwas kaputt und ich schaffe auf dem Highway gerade einmal 50 Meilen in der Stunde, doch ich würde ihn gegen kein anderes Auto eintauschen.“ 

Amelia Island ist Kult – seit mehr als drei Jahrzehnten. Kein Wunder, dass die Autofans nicht allein aus Florida und den angrenzenden Bundesstaaten an den Küstenstreifen kommen, um ein verlängertes Wochenende einer gemeinsamen Leidenschaft zu huldigen: Autos. Amelia Island, das ist viel mehr als der zentrale Concours am Samstag, der millionenschwere Sammler auf den sattgrünen Golfplatz entlang der dortigen Dünenlinie zieht. BMW feiert 40 Jahre M3 und enthüllt ganz nebenbei seinen 180.000 US-Dollar teuren Alpina XB7, ehe der Markenableger der Bayern ab diesem Frühjahr in eine neue Zukunft startet. Ein Autoevent wie in Amelia Island ist es, was in Deutschland, was an sich in ganz Europa fehlt. Markenclubs, bodenständige Autofans, versteigerungssüchtige Sammler und preisverwöhnte Concours-Liebhaber – sie alle zieht es jedes Jahr Anfang März in den Norden Floridas. Die Stimmung ist bestens – gerade weil die Lokalität passt und das lässige Nebeneinander von Autos aus jeder nur erdenklichen Preiskategorie seinen ganz besonderen Charme hat. 

Dass der 1931er Duesenberg Model J Tapertail Speedster von William Lyon aus dem kalifornischen Coto de Caza letztlich den elitären Concours gewinnt, mag kaum überraschen – auch wenn längst ganz andere Fahrzeuge angesagt sind. „Wir haben alle noch ein Problem damit, dass ein Fahrzeug wie ein Nissan Skyline eine Million Dollar kostet“, erläutert Ramsey Pott vom Auktionshaus Broad Arrow, „doch viele ältere Fahrzeuge aus dem Vorkrieg, den 50er oder 60ern tun sich schwer. Die haben noch ihre Fans – aber der Trend geht klar zu Modellen, die wir alle noch aus unserer Kindheit kennen. Da heißt es eher Porsche, Acura oder Nissan statt Duesenberg.“ Die gibt es nicht allein bei Cars & Caffeine am Sonntag zu bestaunen, sondern auch eben auch beim Radwood Festival oder den lässigen Fantreffs, die auf Parkplätzen und an Tankstellen in der Umgebung bis hinein Richtung Jacksonville stattfinden. Dort muss keiner bis zu 180 US-Dollar Eintritt ausgeben und es riecht auch nicht süßlich nach Zigarren wie rund um das Concours-Gelände. Wer dort nicht in kurzer Hose und buntem Poloshirt unterwegs ist, trägt nicht nur im höheren Alter bevorzugt dunklen Zweireiher, helle Bundfalten-Chinos und Strohhut. Die gängige Uniform der Juroren bei einem Event wie Amelia Island. Bis es an Hotelpool zu einem Glas Champagner und leichten Snack geht noch ein kurzer Abstecher, bei dem Amelia-Devotionalien oder gar ein Mini-Ferrari im bunten Swarovski-Kleid mitgenommen werden.

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