GWM Haval H6 Hybrid

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VonFabian Mechtel

26. März 2026

Angriff auf die Platzhirsche

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die europäische SUV-Mittelklasse in einer gewissen Komfortzone eingerichtet hat. Bestseller wie der VW Tiguan, Skoda Karoq, Toyota RAV4, Kia Sportage oder Hyundai Tucson teilen den Kuchen weitgehend unter sich auf. Diese Ruhe will der Haval H6 stören.

Great Wall Motor schickt mit dem Haval H6 seinen globalen Verkaufsschlager nach Deutschland. Die Kampfansage ist eindeutig: Ein ausgewachsenes Familien-SUV mit starkem Vollhybrid, das beim Preis die Regeln völlig neu schreibt. Wir sind mit dem Neuling die erste ausgedehnte Runde gefahren. Der Start des großen Havel ist für die chinesische Konzernmutter weit mehr als nur ein bloßes Experiment. Der H6 fungiert als Türöffner für eine gewaltige Modelloffensive. Bis zum Jahr 2027 plant GWM neben dem Jolion Pro im Kompaktsegment noch zwei weitere SUV im C- und D-Segment in Deutschland auf die Straße zu bringen. Dazu kommen bis zu sechs weitere Modelle der Konzernmarken Ora und Wey. Doch anders als noch vor wenigen Jahren, als Funky Cat, Coffee und Co stark auf Elektrifizierung setzten, zwingt den Kunden nun nicht mehr auf Biegen und Brechen an die Ladesäule. Der Haval H6 setzt als klassischer Vollhybrid allein auf seinen Kraftstofftank – ein Segen für Laternenparker und Vielfahrer, die den Ladestecker gerne meiden.

Von außen betrachtet macht der asiatische Herausforderer keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Mit Abmessungen von 4,70 Metern in der Länge und 1,89 Metern in der Breite ist er seinem Segment beinahe schon entwachsen und greift fast schon ins Premium-Segment. Von ordentlicher Statur ist auch die Frontpartie, die dem H6 ordentlich Überholprestige verleiht: Ein wuchtiger, von Chrom-Akzenten durchzogener und senkrecht gegliederter Kühlergrill wird hier von scharf geschnittenen, flachen LED-Scheinwerfern flankiert, die dem H6 eine fokussierte, fast ein wenig grimmige Note verleihen. 

Innen wartet ein erfreulich reduziertes und sehr aufgeräumtes Cockpit. Analoge Instrumente gehören der Vergangenheit an, stattdessen gibt es ein 10,25 Zoll großes Digitaldisplay für die Instrumente. Die eigentliche Kommandozentrale bildet jedoch der 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mitte. Hierüber wird das gesamte Infotainment gesteuert, was erfreulich gut strukturiert ist, wenn auch die gute Integration von kabellosem Apple CarPlay und Android Auto das Havel-eigene Menü eher in den Hintergrund drängt. Die Kehrseite große Touchwelt: Physische Tasten und Regler mit haptischem Feedback gibt es weder für die Temperaturregelung noch das Radio. Wer während der Fahrt die Sitzheizung dimmen oder es für den Beifahrer wärmer drehen will, muss den Blick von der Straße nehmen und in Untermenüs wischen – das lenkt ab und kostet in der Ergonomie-Note wertvolle Punkte.

Dafür glänzt der H6 bei den handfesten Tugenden, insbesondere beim Raumangebot. Fünf Erwachsene reisen hier äußerst bequem, die Platzverhältnisse im Fond sind herrschaftlich. Mit 560 Litern schluckt das Gepäckabteil problemlos das Urlaubsgepäck einer ganzen Familie. Schon die Basisausstattung des großen Haval punktet mit Sitzbezügen in sehr ordentlichem Kunstleder, das in Kombination mit dem hellen Dachhimmel, schönen Ziernähten und sauberen Passungen eine verblüffend wohnliche Atmosphäre kreiert. Haval versucht erst gar nicht, mit offenporigem Holz oder kühlem Aluminium eine falsche Premium-Illusion aufzubauen. Hinter vorgehaltener Hand zielt man auf die grundsolide Verarbeitungsqualität koreanischer Wettbewerber und trifft dieses Niveau erschreckend genau.

Bereits das Basismodell Premium grenzt an Vollausstattung. Wer hier sein Kreuz macht, bekommt nicht nur die elektrische Heckklappe und eine Zweizonen-Klimaautomatik, sondern auch beheizte Sitze, ein elektrisch wärmbares Lenkrad und eine clevere 360-Grad-Kamera mit virtueller Durchsicht. Auch das prall gefüllte Sicherheitspaket samt Abstandsregeltempomat und aktivem Spurhalter kostet keinen Cent extra. Legt man das Upgrade zur Luxury-Version obendrauf, gibt es vor allem zusätzliche Technik-Spielereien: Ein Head-up-Display, kühlende Sitzbelüftung, ein riesiges Panorama-Glasdach, ein elektrisch verstellbarer Beifahrersitz, induktives Handyladen und zusätzliche Radarwächter für den toten Winkel und den rückwärtigen Querverkehr komplettieren das Paket.

Das Herzstück des Haval H6 schlägt jedoch unter der Motorhaube. Ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 110 kW / 150 PS arbeitet im Schulterschluss mit einem 177 PS starken Elektromotor. Gebündelt schickt dieses Duo eine beachtliche Systemleistung von 243 PS (179 kW) und ein bäriges Drehmoment von 530 Newtonmetern an die Vorderräder. Gekoppelt ist das System an ein von GWM eigens entwickeltes 2-Gang-Hybridgetriebe (DHT). Auf der Straße übersetzt sich dieses Technik-Paket in ein überraschend erwachsenes Fahrerlebnis. Die Ingenieure haben die Orchestrierung von Verbrenner, E-Motor und Getriebe sehr komfortabel gelöst. Der gefürchtete Gummiband-Effekt klassischer stufenloser Getriebe bleibt mit der 2-Gang-Strategie aus. Stattdessen rückt der Hybridantrieb im Alltag völlig in den Hintergrund. Im städtischen Stop-and-Go oder beim sanften Mitschwimmen rollt der Wagen trotz winzigen Batterie – der Lithium-Hochvoltspeicher fasst weniger als eine Kilowattstunde nutzbarer Energie – immer wieder flüsterleise rein elektrisch. Fordert man auf der Landstraße Leistung, schiebt die geballte E-Power nahtlos und angenehm kraftvoll an, sodass der Standard-Sprint auf Tempo 100 in flotten 8,3 Sekunden abgehakt ist.

Auf dynamische Wunderdinge bei der Kurvenhatz sollte man sich allerdings nicht einstellen. Haval hat das Fahrwerk ganz bewusst auf eine weiche Kennlinie getrimmt. Der H6 ist kein Sport-SUV, sondern ein entspannter Reisebegleiter. Er filtert grobe Querfugen und schlechten Asphalt souverän weg, verfällt in schnell gefahrenen Kurven jedoch in spürbare Wankbewegungen. Die Lenkung ist leichtgängig und die Bremsen packen tadellos zu, beide lassen aber eine sportliche Rückmeldung vermissen. Das ist jedoch leicht zu verzeihen, wenn man nach der Fahrt den Bordcomputer studiert. Trotz seiner stattlichen Statur und der hohen Systemleistung genehmigte sich unser Testwagen auf der Premieren-Runde nur 5,1 Liter auf 100 Kilometer. Damit unterbot der H6 den ohnehin schon ambitionierten WLTP-Normwert von 5,9 Litern sogar deutlich. Das Energiemanagement zwischen Benziner und Batterie funktioniert in der Praxis augenscheinlich sehr gut.

Der eigentliche Paukenschlag ist allerdings der Preis. Für das üppig ausgestattete Basismodell rufen die Händler regulär 31.990 Euro auf, die Topversion Luxury liegt bei 34.690 Euro. Dank eines großzügigen Einführungsrabatts drückt Haval den Einstiegspreis aktuell sogar auf sehr scharf kalkulierte 28.990 Euro. Diese Summe drängt folgenden Vergleich auf: Man zahlt für den H6 die Tarife eines rustikalen Dacia Duster oder eines Opel Frontera in der Basisvariante. Im Gegenzug erhält man das Platzangebot, den Komfort und die souveräne Vollhybrid-Kraft ganzer zwei Klassen darüber. Ein echter Albtraum für die europäischen Platzhirsche.

Technische Daten GWM Haval H6 1.5T Hybrid

MerkmalDaten
Motor1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner + Elektromotor (Vollhybrid)
Getriebe2-Gang-Hybridgetriebe (DHT)
AntriebVorderradantrieb
Leistung (Verbrenner)110 kW / 150 PS
Drehmoment (Verbrenner)230 Nm
Leistung (Elektromotor)130 kW / 177 PS
Systemleistung179 kW / 243 PS
Systemdrehmoment530 Nm
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
0-100 km/hca. 8,3 Sekunden
Verbrauch (WLTP)5,9 l/100 km (Testverbrauch: 5,1 l/100 km)
CO₂-Emissionen (WLTP)134 g/km (CO₂-Klasse D)
Batteriekapazität1,67 kWh (Lithium-Ionen)
Länge x Breite x Höhe4.700 mm x 1.890 mm x 1.730 mm
Kofferraumvolumen560 Liter
Leergewicht1.765 kg
Listenpreisab 31.990 Euro (Aktionspreis ab 28.990 Euro)

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