Unbekannte Größe
SsangYong war gestern – heute laufen die Modelle des südkoreanischen Autoherstellers unter der unhandlichen Bezeichnung KG Mobility – kurz KGM – in den Handel. Kein einfacher Start für den neuen Mittelklasse-Crossover Actyon, der als sparsame Hybridversion mit Komplettausstattung auch bei uns punkten will.
Den drei Männern, die am grauen SUV vorbeischreiten, geht es wie wohl vielen anderen beim Erstkontakt. „Ein neuer SUV – sicher aus China – sieht ja ganz gut aus“, sagt der eine ohne Widerspruch der beiden anderen zu ernten. Der KGM-Schriftzug am Heck sagt ihnen nichts und ein Markenlogo an der Front hat der Autohersteller aus Südkorea als realer Nachfolger der mittelprächtig bekannten Automarke SsangYong bisher gar nicht. Gut ein Jahr ist KG Mobility nunmehr auf dem europäischen und damit auch auf dem deutschen Markt. Zeitgemäße Produkte zu attraktiven Preisen und mit teils bekannten Modellnamen. Da tut es weh, wenn der Markenname einfach ausgetauscht wird. Der Hinweis, dass KGM seine Firmenanfänge bereits in den 1950er Jahren und daher eine Historie hat, die sich gegenüber anderen Marken aus Asien und speziell China nicht verstecken muss, dürfte kaum einen Kunden interessieren.

Da eine breit gestreute Kampagne zur Einführung der Marke bisher fehlt, müssen es daher die Fahrzeuge allein richten und hier hat der südkoreanische Importeur, eine 100prozentige Tochter des Herstellers, besonders hohe Erwartungen an den neuen Actyon Hybrid. Der betont selbstbewusst gestylte Crossover wird von einem gerade einmal 1,5 Liter großen Turbobenziner mit 110 kW / 150 PS / 220 Nm befeuet, der in erster Linie für die Aufladung des 1,85 kWh großen Batteriepakets verantwortlich ist und nur bei höheren Tempi direkt die Vorderachse antreibt. Bei entspannter Fahrt wird der 4,74 Meter lange Crossover von einem 130 kW / 177 PS starken Elektromotor angetrieben, der weitgehend geräuschlos seine Antriebsarbeit erledigt. So steht für den Antrieb – eingekauft bei China-Gigant BYD – eine Systemleistung von 150 kW / 204 PS zur Verfügung. Sicher nicht imposant, aber auch nicht zu wenig, um den Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein.
Nach dem Aufstarten des Motors geht es erst einmal elektrisch los und die ersten Innenstadtkilometer erledigt der Koreaner elektrisch, leise und betont unaufgeregt. Überraschend früh schaltet sich bei einer Akkuanzeige von knapp unter 50 Prozent der Verbrenner zu und versorgt das Batteriepaket wieder mit Antriebsenergie. Die Geräuschdämmung des 1,5 Liter großen Vierzylinders ist dabei allenfalls mittelprächtig, denn gerade bei steter Landstraßenfahrt ist der Motor deutlich zu vernehmen, um sich nach kurzer Wegstrecke wieder in den Elektroschlaf zu verabschieden. Auch ein kurzer Zwischenspurt geschieht Dank 300 Nm maximalem Drehmoment vollelektrisch, ehe sich Richtung 100-km/h-Anzeige auf dem digitalen Tachometer der Benziner unter Lastanforderungen deutlich vernehmbar zuschaltet, als es auf die Autobahn geht.

Hier schwimmt der gut 1,7 Tonnen schwere KGM Actyon Hybrid locker mit und beschleunigt gemäßigt bis knapp über 170 km/h. Viel ist das für einen Mittelklasse-Crossover nicht, wobei es den Technikern augenscheinlich in erster Linie um einen geringen Realverbrauch geht. 6,1 Liter Superkraftstoff auf 100 Kilometer gehen in Ordnung – ein Knauserdurst ist es für einen Hybriden in dieser Liga jedoch nicht. Dabei ist das Fahrverhalten unauffällig, denn das Komfortniveau passt trotz der stattlichen 20-Zöller, die serienmäßig aufgezogen sind. Die Lenkung, die sehr leichtgängig ihre Arbeit verrichtet, könnte gerade bei flottem Tempo jedoch mehr Rückmeldung von der Fahrbahn geben. Stören dürfte das jedoch kaum einen Kunden. Der Actyon ist übersichtlich – auch wegen der Kameras und Assistenzsysteme rundum.
Was neben dem selbstbewussten Auftritt des KGM Actyon Hybrid gefällt, ist die sehr umfangreiche Serienausstattung. Elektrische und klimatisierte Ledersitze vorn, beheizte Stühle auch im Fond, übersichtliche 12,3-Zoll-Displays sowie eine Reihe von Ablagen und USB-Anschlüsse bringen den Insassen einen hohen Alltagsnutzen. Dabei fühlen sich viele Oberflächen wertiger an als bei Fahrzeugen höherer Klassen. Leicht unterschäumte Elemente und farblich abgesetzte Nähte in Türtafeln oder dem Armaturenbrett, das leider ohne ein Head-Up-Display auskommen muss – das kann sich im hybriden Actyon, der in der Komplettausstattung gerade einmal 44.890 Euro kostet, sehen lassen. Das gilt auch für das Platzangebot, denn abgesehen von einer Beinauflage, die etwas länger sein dürfte, fassen sich nicht nur Sitze und Schalter gut an, sondern vier bis fünf Insassen finden in dem Südkoreaner angenehm Platz. Wer sich für einen Hybridantrieb nicht erwärmen kann oder wem ein Allradantrieb (2.200 Euro Aufpreis) wichtig ist, kann den KGM Acyton auch mit einem 1,5 Liter großer Vierzylinder und 120 kW / 163 PS bekommen, der dann bei gerade einmal 35.790 Euro startet.

Technische Daten: KGM Actyon Hybrid
- Motor: 1,5 Liter Vierzylinder-Turbo mit Elektromotor
- Hubraum: 1498 ccm
- Leistung: 150 kW / 204 PS
- Max. Drehmoment: 300 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
- Beschleunigung 0 – 100 km/h:
- Normverbrauch: 6,1 Liter Super / 100 km / 138 g CO2
- Antrieb: Front
- Getriebe: Automatik
- Leergewicht: 1.725 kg
- Ladevolumen: 668 – 1568 Liter















