Alpina startet als Luxusmarke von BMW neu

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

17. Mai 2026

Buchloe war gestern

BMW Alpina wagt in diesem Frühjahr den Neustart – sportlicher, luxuriöser und elitärer denn je. Auf dem exklusiven Concorso d’Eleganza am Comer See enthüllen die Münchner mit dem Coupé Vision BMW Alpina ihre neueste Submarke. 

Keine Frage, die Coupéstudie, die BMW im Rahmen der Como Carweek enthüllt, ist eine Schau. Ein Ausblick auf ein neues Auto, dass es noch gar nicht gibt, eine Luxusmarke, die sich im Gefüge von BMW, M GmbH, BMW Individual und Rolls-Royce erst noch finden muss. Der Vision BMW Alpina, stattliche 5,20 Meter lang, lässt BMW-Fans träumen, nachdem die Bayern ihre Achter Reihe ohne Nachfolger eingestellt haben. Viel Eleganz, jeder nur erdenkliche Luxus und dann noch ein klares Bekenntnis zu seinem Antrieb: kein Elektromodell, sondern ein leistungsstarker V8-Turbo. Applaus am Comer See. 

Vor einem Jahr sah es etwas anders aus, denn kurz vor der Eröffnung des Concorso d‘ Eleganza an der exklusiven Villa d’Este hatte BMW davon Wind bekommen, dass ein paar Kilometer weiter südlich am Comer See der Bovensiepen Zagato enthüllt werden sollte. Ein 611 PS starker Gran Tourismo auf Basis des BMW 4er Cabrios – vorgestellt von Bovensiepen Automotive, dem Firmennachfolger des ehemaligen BMW-Edeltuners Alpina, dessen Namensrechte BMW im Jahre 2022 gekauft hatte. Der Erstaufschlag des Bovensiepen Zagato mit dem Slogan „Fine Driving“ – noch bevor von den neuen Alpina-Modellen irgendetwas zu sehen war. Mitte August bei der Monterey Carweek ein ähnliches Bild. Hier präsentierte Firmen-CEO Andreas Bovensiepen erstmals auf nordamerikanischen Boden den Bovensiepen Zagato beim exklusivsten aller Pebble-Events von The Quail.

Jetzt schlägt BMW mit dem Markenneustart von Alpina zurück. Von BMW entwickelt und Alpina in Buchloe, rund 70 Kilometer westlich von München gelegen, umfangreich veredelt, setzten Modelle wie B3, D5, XB7 oder B12  / D3 in Sachen Dynamik, Exklusivität und Langstreckeneigenschaften bisher Maßstäbe. Edler, exklusiver und deutlich schneller als vergleichbare BMW-Versionen – das wollte der Münchner Autobauer gerne in den eigenen Reihen halten und nicht ganz nebenbei auch Maybach als edlen Mercedes-Ableger kontern, die speziell in China großen Erfolg haben. Bisher waren Alpina-Modelle eigene Fahrzeuge mit einer eigenen Herstellerangabe und einer KBA-Nummer. Eine Ausnahme gab es jedoch auf dem Hauptmarkt USA, denn hier wurden die Hochleistungsmodelle schon immer direkt über BMW vertrieben und waren offizielle Topversionen im entsprechenden BMW-Portfolio. Das ist nunmehr weltweit gültig, denn Alpina ist nunmehr eine offizielle Submarke unter dem Dach der BMW Group AG wie Mini, Rolls-Royce, BMW Motorrad oder die M GmbH. 

Den ersten Markenauftritt feiert BMW nunmehr auf dem Concorso d’Eleganza am Comer See. Der Star des Premiereabends der Vision BMW Alpina, ein Gran Tourismo, der Begehrlichkeiten bei den bestens betuchten Besuchern des Como Car Week weckt und der aktuell im BMW-Portfolio schmerzlich fehlt. In den vergangenen Jahren hatten hier jeweils Kleinserienmodelle des BMW 8ers, mittlerweile ausgelaufen, mit Namen Speedtop und Skytop, die in kleinen Auflagen von 50 sowie 70 Stück trotz Preisen von 500.000 Euro im Nu vergriffen waren. Alpina will sich oberhalb von BMW positionieren, das bisher jedoch in erster Linie ein Image als Selbstfahrerlimousine hatte und schon durch die Hauptmärkte in den USA, Deutschland und Japan kaum als Chauffeurmodell genutzt wird. Das dürfte sich durch die Neuausrichtung nach China ändern. 

Was das Modellportfolio angeht, hält sich der neue Marken-CEO Oliver Viellechner zurück wie bei Details zur Serienumsetzung des Premierenmodells, das nunmehr den Neustart der Marke einläuten soll. Doch wer sich die Markenausrichtung und eine Preiszielgröße von 250.000 Euro anschaut, dürfte keinen Zweifel daran haben, dass es zunächst insbesondere um besonders exklusive Versionen von BMW 7er und X7 gehen dürfte. So scheint offen, wie sich das neue Alpina-Portfolio mittelfristig einsortieren soll. Bisher gab es mit 3er / 4er und X3 / X4 auch betont kleine Modelle – hoch motorisiert und mehr als 100.000 Euro teuer. Im Markenkern standen jedoch eher Modelle wie B5, B7, B8 und XB7. Reine Elektromodelle dürften erst einmal außen vorbleiben. Doch die Abgrenzung zum bestehenden BMW-Portfolio mit luxuriösen Modellen wie einem BMW i7 M70, einem M 760i xDrive oder einem edlen X7 – bestenfalls noch mit umfangreichen Individualausstattungen – erscheint unter dem Alpina-Label schwerer denn je. Was wird aus einem begehrten Kilometerfresser wie dem Alpina B5, der war nicht die Sportwagengene des aktuellen BMW M5 PHEV besaß, jedoch bisher ähnliche Kunden ansprach?

Kommentar verfassen