Luxus in seiner schönsten Form
Sie sind rar geworden, die edlen Coupés. Hersteller wie Audi, BMW, Lexus oder Alfa Romeo haben sich weitgehend von ihnen verabschiedet. Doch es scheint so, als gäbe es die Chance auf ein schickes Comeback – zugegeben eine kleine Chance.
Die Entscheidung, ob ein Auto, eine Karosserievariante oder ein Antrieb seinen Weg in die Serie schafft, wird nach umfangreichen Planungsprozessen zumeist höchst nüchtern entschieden. Gibt es ein geeignetes Werk, eine entsprechende technische Plattform nebst Antrieb und gibt es – zumeist global betrachtet – eine Nachfrage, die groß genug ist, um die Kosten für Ableitung, Entwicklung, Fertigung und Markteintritt über eine Dauer von fünf bis acht Jahren zu decken? Zugegeben, da hat es ein Cabriolet oder gar ein Coupé nennenswert schwerer als ein volumentauglicher Mittelklasse-SUV oder ein günstiges Kompaktklassemodell. Geändert hat sich an der grundsätzlichen Beurteilung kaum etwas – allein die Gewichtung ist mittlerweile eine andere, deutlich strengere. Sogenannte Brand Shaper oder Modelle, die in erster Linie der Positionierung der Marke dienen, waren schon immer ein teurer Luxus, den sich ein Autohersteller erlauben muss.
Doch da die Wertschöpfung eines Automobils nicht erst mit der zunehmenden Elektrifizierung und immer kürzeren Lebenszyklen für die Autohersteller immer schwieriger geworden ist, wurden die meisten jener Modelle aus den Portfolios gestrichen, die kein Geld verdienten oder für zu wenige Kunden interessant waren. Das traf insbesondere Modellvarianten wie Cabriolets und Coupés, die im Laufe der letzten zehn Jahre selbst bei den Premium- und Luxusmarken immer mehr aus den Verkaufslisten verschwanden.

Mercedes – Hersteller mit der wohl größten internationalen Coupéhistorie – hat mit dem CLE sowie dem AMG GT / SL unverändert jeweils nicht nur Cabriolet, sondern auch ein Coupé im Angebot, stellte aber 2018 das große und besonders imageträchtige Coupé der S-Klasse ein. BMW folgte dem Beispiel und hat sich eher heimlich von seiner 8er-Baureihe mit Cabriolet, Gran Coupé und Coupé verabschiedet. Auch für die 4er Reihe mit Gran Coupé, Cabrio und Coupé sieht es nicht gut aus und so muss es mittelfristig der kleine und wenig imageträchtige 2er richten. Audi konnte sich abgesehen von Einzelstücken nie zu einem großen A8 Coupé durchringen und wollte seinen Audi A4 mit der aktuellen Generation nach oben positionieren. Der heißt nun Audi A5 und hat mit Cabrio und Coupé nichts mehr zu tun. Diese wurden nach der Vorgängermodellreihe ebenso gestrichen wie der viertürige Audi A7, eher sportliche Limousine als echtes Coupé. Wer aktuell ein echtes Coupé mit zwei Türen sucht, wird in Europa allenfalls noch beim Luxusherstellern wie Aston Martin (DB12, Vanquish, Vantage), Bentley (Continental) oder Ferrari / Maserati fündig. Alpine hat seinen 110 in Rente geschickt, Toyota seine Supra ebenso eingestellt wie den GR86, der auch als Subaru angeboten wurde. Doch Toyota bringt mit dem GR GT in 2027 ein neues Luxuscoupé mit 650 PS starkem V8-Triebwerk zurück. Einige der Modelle wie ein Porsche 911, Lamborghini Temerario / Revuelto oder Ferrari 296 / 12 Cilindri sind jedoch eher ausgemachte Sportwagen mit zwei Türen, denn elegante Coupés. In den USA scheinen Traditionsmodelle wie Ford Mustang oder Corvette dagegen gesetzt, während sich Cadillac weitgehend aus dem Geschäft verabschiedet hat.
Jetzt macht die elitäre Como Car Week mit seinen Luxusevents Fuori Concorso und Concorso d’Eleganza seit langem wieder einmal etwas Mut. BMW feierte den Alpina-Markenstart nicht mit Ausblicken auf die ersten beiden Serienmodelle, die auf Basis von 7er und X7 ab Ende 2027 umgesetzt werden, sondern einem strahlend schönen Luxuscoupé, das den Bayern in seinem Portfolio ebenso schmerzlich fehlt wie Wettbewerber Mercedes. Der 5,20 Meter lange Vision BMW Alpina bietet genau das, was sich ein Coupéfan in diesem Segment wünscht und nicht einen Gedanken daran verschwendet, ihn durch Limousine oder gar einen Crossover zu ersetzen. Dass Alpina mit dem Ausblick auf einen sicher elektrifizierten V8-Motor noch begehrenswerter macht, lässt viele Coupéfans noch mehr schwelgen.

Brabus, von der Tuningmarke längst zum Luxushersteller aufgestiegen, setzte der Coupéidee mit seinem Bodo nur ein paar Kilometer weiter die Krone auf. Der Brabus Bodo auf technischer Basis des Aston Martin Vanquish, jedoch mit völlig eigenständiger Karbonkarosse, ist das Luxuscoupé, was Maybach nie hat Realität werden lassen. Maximaler Luxus, eine Orgie in Leder gepaart mit einem 1.000 PS starken V12-Triebwerk – das wird man in Stuttgart nicht gerne sehen, das Firmenchef Constantin Buschmann die Idee eines eigenen Modells von Vater Bodo Buschmann mit dem 1,2 Millionen Euro teuren Luxusmodell in die Tat umgesetzt hat. Die Stückzahl ist 77 Modellen jedoch stark limitiert – nicht zuletzt auch durch den Preis.
Mercedes stellte jüngst seinen elektrischen AMG GT als viertürige Coupélimousine vor – mit bis zu 1100 PS; allerdings ist aktuell kein Zweitürer als echtes Coupé geplant. Bleibt die Frage, welche Autohersteller in den kommenden Jahren zurück ins Coupégeschäft kommen oder diesem erhalten bleiben. Gerade Nobelmarken wie Bentley, Ferrari oder Rolls-Royce brauchen die edlen Zweitürer mit langer Haube für Klientel und Image – doch auch hier spielen Kostendiktat und die nicht enden wollende Nachfrage nach Crossovern eine große Rolle bei der Entscheidung für oder wider neue Coupés. Auch die Premiummarken ist ein großes Coupé ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, um sich von der immer größer werdenden Konkurrenz aus China abzusetzen. Den sportlichen Coupéikonen wie Porsche 911, Ford Mustang oder Corvette dürfte es kaum an den Kragen gehen; doch welcher Hersteller hat den Mut und das Kapital, ein eingeschlafenes Coupé zurückzubringen?
















