Gelernte Dynamik
Porsche legt nach, denn der noch junge Elektro-Cayenne bekommt nicht nur seine Coupé-Ableitung, sondern mit der S-Variante auch sein Kernmodell. Das braucht den Vergleich mit den Verbrennerversionen nicht zu scheuen – im Gegenteil.
Glücklicherweise ist Porsche der Fehler, den man beim Mittelklasse-Crossover Macan gemacht hat, beim großen Bruder nicht nochmals passiert. So setzt der Cayenne nicht obligatorisch auf eine Elektro-Variante, sondern lässt dem Kunden die Wahl, ob reiner Benziner, Plug-in-Variante oder die Elektroversion, die sich in einem neuen Blechkleid präsentiert, das deutlich mehr polarisiert, ist die etablierten Modelle. Nachdem die Basisversion mit 300 kW / 408 PS sowie das Topmodell mit aktiven Aerodynamikelementen und dem schon bei Macan und Taycan verwandten Modellzusatz Turbo mit 630 kW / 857 PS bereits seit einiger Zeit angeboten wird, legen die Schwaben nunmehr mit dem Cayenne S Electric die Kernversion nach.
Die ist als normaler Crossover oder eben als Cayenne S Coupé mit leicht abfallender Dachlinie zu bekommen. Das passt von der Linienführung etwas besser zu einem Mitglied der Porsche-Familie – vielleicht auch, weil der Fahrer sich irgendwie die Silhouette der Elfer-Dachlinie herbeibetet. Abstriche beim Ladevolumen oder dem Kopfraum im Fond? Durchaus, doch hinten lässt es sich auch mit über 1,85 Meter noch angenehm sitzen und der Laderaum fasst hinter der elektrischen Heckklappe immer noch 534 Liter – zugegeben fast 250 Liter weniger als beim Cayenne SUV, doch immerhin gibt es unter der Fronthaube noch den 90-Liter-Frunk.

In Sachen Motorleistung dürfte der Porsche Cayenne S Electric für viele genau die richtige Wahl sein, denn während das Topmodell Turbo mit 857 PS und kurzzeitig bis zu 850 kW / 1.156 PS im Overboost für die meisten entbehrlich sein dürfte, bleibt die Basisversion manchem etwas schlapp auf der Brust. So ist der 4,99 Meter lange Cayenne S Electric als Normalversion oder Coupé-Ableger für viele perfekt. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse leisten 400 kW / 544 PS und können kurzzeitig auf bis zu 490 kW / 666 PS gefordert werden. Entsprechend beeindruckend ist der Schub aus jedem Tempo, denn der Cayenne schiebt ebenso lässig wie wild an. Aus dem Stand geht es in 3,8 Sekunden auf dem Tempo 100 und auf 200 km/h gar in 12,3 Sekunden. Nicht, dass das im realen Fahrbetrieb irgendeine Bedeutung hätte, ist es doch ein Anzeichen dafür, wie heftig der über 2,5 Tonnen schwere Koloss zu spurten imstande ist. Auf Wunsch bis maximal 250 km/h.
Der elektrische Cayenne überspielt sein Übergewicht ebenso gekonnt wie entspannt, gaukelt seinem Fahrer mit Fahrwerksfeinheiten vor, nicht derart viel Masse zu tragen, wie es real ist. Dazu gehören nicht allein das Sportpotenzial oder die präzise Lenkung, sondern überschaubares Wanken in schnell gefahrenen Wechselkurven auf der Landstraße, eine bissige Bremse und dezentes Ein- wie Ausfedern. Im Grenzbereich oder beim starken Abbremsen können variable Fahrprogramme, Allradlenkung und Dämpferabstützung dann aber eben doch keine Wunder vollbringen und auch die variable Luftfederung stößt an ihre Grenzen. Doch es bleibt immer wieder beeindruckend, wie ruhig sich der Cayenne S selbst auf welligem Fahrbahnuntergrund beim Anbremsen vor Kurven präsentiert, nur um diese nach dem Beschleunigen mit unfassbarem Schub wieder zu verlassen.

Dass der Fahrer perfekt in den belederten Sportstühlen sitzt, deren unsichtbare Bedienkulisse gerne etwas einfacher sein könnte und auf Instrumente blickt, an die man sich weniger gewöhnen muss als den zur Mittelkonsole angewinkelten Touchbildschirm sorgt nur für eine Erhöhung des Wohlfühlwertes. Dieser wird jedoch durch eine ärgerliche Sparmaßnahme eingeschränkt, denn im Gegensatz zum bekannten Verbrennermodell muss das Panoramadach von Cayenne S und Cayenne S Coupé ohne eine schützende Jalousie auskommen, die den Aufenthaltswert im Fond trotz elektrischer Sitzverstellung schmälert. Die Verschattung geschieht allein per Tastendruck, was die Lichtdurchlässigkeit nach oben beeinflusst. Ersetzen kann dies eine Jalousie, die für Wohlfühlatmosphäre bei starker Sonneneinstrahlung, im Winter oder Regen sorgt, nicht. Bleibt auf Wunsch allein das undurchlässige Karbondach.
Das mindestens 130.300 Euro teure Porsche Cayenne S Coupé Electric lässt seinem Nutzer die Wahl, wie er nachtanken möchte. Entweder an einem AC-Ladestecker mit bis zu 22 kW, auf einer induktiven Bodenplatte in der eigenen Garage – zum stattlichen Aufpreis – mit bis zu 11 kW oder an einem Schnelllader mit bis zu 400 kW. Das garantiert nach bis zu 670 Kilometer langen Passagen kurze Wartezeiten, denn von 10 auf 80 Prozent erstarkt das stattliche Batteriepaket im Unterboden in rund einer Viertelstunde. Das kaum mehr als bei der Benzinerversion.
Daten: Porsche Cayenne Electric
- Motor: Zwei permanenterregte Synchronmaschinen
- Leistung: 400 kW / 544 PS – im Overboost bis 490 kW / 666 PS
- Max. Drehmoment: 835 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Beschleunigung 0-100 km/h: 3,8 Sekunden
- Getriebe: Eingang
- Antrieb: Allrad
- Batterie: 113,0 kWh
- Normverbrauch: 18,8 – 21,6 kWh / CO2-Ausstoß (g/km): 0
- Gewicht: 2.525 kg / max. Zuladung: 645 kg
- Ladevolumen: 534 – 1347 Liter + 90 l Frunk
- Preis: 130.300 Euro
















