Auswirkungen der E-Auto-Förderung

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VonWolfgang Gomoll

30. Mai 2026

Offene Flanke

Das aktuelle HUK-E-Barometer zeigt: Die neue E-Auto-Prämie wirkt – aber nicht unbedingt so, wie es der deutschen Autoindustrie lieb sein kann. Vielmehr offenbart sie eine offene Flanke, während ausländische Marken profitieren. 

Die Lust der Deutschen auf Elektromobilität wächst. Das zeigt zumindest das HUK-Barometer. Im ersten Quartal 2026 lag der Anteil der Umstiege von Benzinern und Dieseln auf reine Stromer bei 7,5 Prozent aller Fahrzeugwechsel im HUK-Bestand. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 waren es 5,5 Prozent, im Vorquartal 6,3 Prozent. Im März gab es einen richtigen Push: 8,9 Prozent der privaten Fahrzeugwechsel fanden in diesem Monat vom Verbrenner zum Elektroauto statt. Eine Zahl fällt dabei besonders auf. Jüngere Autofahrer unter 40 Jahren wechselten im März mit einer Quote von 7,8 Prozent fast doppelt so häufig auf ein Elektroauto wie im Gesamtjahr 2025, als der Wert bei 4,0 Prozent lag. Bei Mietern stieg die Umstiegsquote von 2,2 auf 4,1 Prozent. Bei Autofahrern ohne Carport oder Garage stieg sie von 3,6 auf 6,3 Prozent. Das ist insofern wichtig, als genau diese Autofahrer bislang der Elektromobilität eher skeptisch gegenüberstanden. Nicht aus einer prinzipiellen Ablehnung heraus, sondern weil die Preise für die Stromer zu hoch waren und man oft noch keine eigene Wallbox hat. Das Thema Laden und Reichweite spielt nach wie vor eine Rolle. Das scheint sich jetzt abzuschwächen. Auch wenn man aus einem Monat noch keinen Trend ableiten kann.

Jedoch fällt auf, dass jeder fünfte Führerscheinbesitzer (18 Prozent) angibt, dass die neue Förderung direkte Auswirkungen auf seine Anschaffungspläne hat. Elf Prozent denken dadurch erstmals überhaupt über ein reines Elektroauto nach, sieben Prozent wollen einen ohnehin geplanten Kauf wahrscheinlich vorziehen. Besonders deutlich reagieren Eltern minderjähriger Kinder: 32 Prozent sehen durch die Förderung einen positiven Effekt auf ihre Pläne. Bei Menschen ohne minderjährige Kinder sind es 14 Prozent. Unter 40-Jährige kommen auf 31 Prozent, ab 40-Jährige nur auf 12 Prozent. Es scheint also, dass die Förderung  also genau die Bevölkerungsgruppen erreicht, für die sie gedacht ist – private Haushalte, bei denen die monatliche Belastung eine Rolle spielt.

Spannend ist dabei der Kontrast zum HUK-Barometer aus dem vierten Quartal 2025. Damals zeigte die Auswertung noch sehr deutlich, wie stark Elektromobilität vom eigenen Stellplatz und vom Wohneigentum abhängt. Immobilienbesitzer hatten dreimal so häufig ein reines Elektroauto wie Mieter, 81 Prozent aller privaten E-Autos wurden von Menschen mit Haus oder eigener Wohnung gefahren. Das passte zum bisherigen Bild: Stromer waren vor allem dort attraktiv, wo zu Hause günstig geladen werden konnte. Jetzt gerät dieser Umstand zumindest in der Bewegung. Der Bestand ist weiterhin von Eigentümern geprägt, doch bei den Umstiegen holen Mieter und Laternenparker sichtbar auf. Die grundlegenden Probleme der Ladeinfrastruktur sind deswegen noch vollends nicht gelöst.

Allerdings fließt das Geld aus dem deutschen Bundeshaushalt nicht zwangsläufig in die Kassen der einheimischen Autobauer. Vielmehr offenbart dies eine Schwäche im Modellportfolio. Denn die Förderung kurbelt vor allem den Verkauf preisgünstigerer Modelle an. Da schaut es zwischen Wolfsburg und München noch mau aus. Anders sieht es bei ausländischen Herstellern und insbesondere bei den Chinesen aus. In der HUK-Auswertung der privaten Umstiege auf reine Elektro-Neuwagen gehören BYD und Leapmotor zu den auffälligen Gewinnern. Leapmotor verdoppelt seinen Anteil von 1,8 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 3,6 Prozent im ersten Quartal 2026. BYD legt von 0,8 auf 2,0 Prozent zu. Auch das ist noch eine Momentaufnahme, aber sie zeigt, dass die aggressive Verkaufs- und Werbestrategie und die Fokussierung auf ein adäquates Händlernetz erste Früchte tragen.

Günstige Automobile sind eine Stärke des Stellantis-Konzerns. Das zeigt auch das HUK-Barometer: Citroën steigt von 1,6 auf 4,2 Prozent, Peugeot von 1,5 auf 3,1 Prozent, Opel von 2,5 auf 4,6 Prozent, Fiat leicht von 2,6 auf 2,9 Prozent. Auch die Elon-Musk-Skepsis gehört der Vergangenheit an. Tesla gehört ebenfalls zu den großen Gewinnern. Der Anteil der Marke an den Umstiegen von Verbrenner- zu E-Neuwagen springt von 5,6 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 13,6 Prozent im ersten Quartal 2026. Allerdings ist das Model Y der Topseller hinter diesem Schub.

Und die Deutschen? Zwar legt die VW-Tochter Škoda von 14,1 auf 14,6 Prozent nur leicht zu, steht damit aber an der Spitze aller Marken in der Gewinner-Grafik. Betrachtet man den gesamten VW-Konzern und addiert die Anteile der wichtigsten Marken, wird das Dilemma deutlich. Der gesamte Konzern kommt noch auf 28,0 Prozent (Škoda: 14,6 %, VW: 5,6 %, Cupra: 5,6 %, Audi: 1,9 %, Porsche: 0,3 %). Im Jahr 2025 waren es noch mehr als 35 Prozent (Škoda: 14,1 %, VW: 9,7 %, Cupra: 8,7 %, Audi: 1,9 %, Porsche: 1,0 %). Offenbar zahlt sich die Škoda-Strategie „viel Auto fürs Geld“ immer noch aus.

Für VW sieht es besonders bitter aus. Die Kernmarke fällt von 9,7 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 5,6 Prozent im ersten Quartal 2026. BMW rutscht von 9,9 auf 5,8 Prozent – trotz der „Neuen Klasse“, deren Effekt wohl erst später einsetzt. Wenn überhaupt. Schließlich handelt es sich um ein Premium-Produkt. Cupra verliert von 8,7 auf 5,6 Prozent. Ford fällt von 5,8 auf 4,1 Prozent, Mini von 3,2 auf 1,6 Prozent. Das sind klare Warnsignale. Wer im privaten E-Auto-Markt stark von teureren Modellen, auslaufenden Produktzyklen oder weniger aggressiven Angeboten abhängt, verliert bei einer Förderung, die preissensible Käufer ansprechen soll, schnell an Boden.

Der Stromer-Bestand wächst trotzdem weiter. Der Anteil reiner Elektroautos an den bei der HUK versicherten Fahrzeugen steigt von 0,2 Prozent Anfang 2020 über 1,9 Prozent Ende 2022 und 3,0 Prozent Ende 2024 auf 3,7 Prozent im ersten Quartal 2026. Das ist kein massiver Durchbruch, aber ein Indikator. Apropos: Auffällig ist, wie stark eigene Erfahrung wirkt. Wer noch nie ein Elektroauto gefahren ist, reagiert deutlich reservierter. Nur zwölf Prozent dieser Gruppe sagen, dass die Förderung Auswirkungen auf ihre Anschaffungspläne hat. Wer bereits einmal ein Elektroauto gefahren ist, ohne selbst eines zu besitzen, kommt auf 22 Prozent. Bei aktuellen E-Auto-Besitzern sind es sogar 53 Prozent. Das zeigt: Die Elektromobilität ist noch mit Vorurteilen behaftet. Deshalb sind Händler, die Probefahrten anbieten, fast genauso wichtig wie die E-Auto-Förderung.

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