Licht und Schatten
Der Ferrari Luce hat einen großen Shitstorm ob seines Designs ausgelöst. Doch der italienische Sportwagenbauer ist nicht die einzige Marke, die mit kontroverser Formsprache Kritik erntete. Hier sind acht weitere Design-Fails.
BMW 7er, E65

Als der BMW 7er E65 im Jahr 2001 auf den Markt kam, verfielen die Fans des bayerischen Autobauers in eine Schockstarre. Nach dem eleganten, leichtfüßigen Vorgänger (E38) kam plötzlich diese wuchtige Limousine mit hochgezogenem Heck, schweren Flächen und einem Kofferraumdeckel, der aussah wie nachträglich angeschraubt. Der Spitzname „Bangle Butt“ (Bangle-Hintern) war schnell geboren, nach dem damaligen BMW-Chefdesigner Chris Bangle zurückging. Auch das Bedienkonzept des iDrive mit dem Drehdrücksteller wurde zunächst sehr kritisch betrachtet, war aber letztendlich wegweisend. Ähnliches gilt für den BMW 7er E65. BMW glättete die Formensprache beim Facelift sichtbar. Fakt ist aber auch: Der E65 war trotz aller Häme ein kommerziell erfolgreicher 7er.
Fiat Multipla

Optisch war der Fiat Multipla eine rollende Zumutung. Kommentare wie: „Das kommt dabei heraus, wenn italienische Designer Drogen nehmen“ machten schnell die Runde. Die Kritik entzündete sich vor allem an der Doppelstock-Front mit dem seltsamen Wulst unter der Windschutzscheibe, den weit auseinanderstehenden Scheinwerfern und der hohen, pummeligen Karosserie. Unbestritten ist jedoch der Nutzwert des Fiat-Vans, der seine Fans begeisterte. Zwei Sitzreihen mit je drei Plätzen, erstaunlich viel Raum auf relativ wenig Fläche, gute Übersicht und viele praktische Details sowie Ablagen. Fiat entschärfte das Aussehen später mit der Modellpflege 2004.
BMW 2er Active Tourer

So stilsicher BWM bei den Kombis ist, so mutig sind die Designentscheidungen bei den anderen Fahrzeugmodellen. Den BMW 2er Active Tourer empfanden manche als Majestätsbeleidigung. Ein BMW als Van-artiger Kompaktwagen mit quer eingebautem Motor und Frontantrieb? Für Puristen klang das wie Weißwurst mit Ketchup. Die Optik war eher pummelig statt schnittig. Und das bei einem Hersteller, der den sportlichen Hinterradantrieb, langer Haube und klassischer Fahrerorientierung im Innenraum zur Relegion erhoben hatte.
Mercedes A-Klasse

Die Schwaben nannten sie liebevoll „Kästle“, andere runzelten die Stirn. Die erste Mercedes A-Klasse (W168) erlangte aber nicht nur aufgrund ihres würfelartigen Aussehens, das so gar nicht in das Modellportfolio des Traditions-Luxusherstellers passte, fragwürdigen Ruhm, sondern auch wegen des Elchtests. Im Jahr 1997 kippte der hoch bauende Kompakt-Mercedes bei einem Ausweichmanöver bei nur 60 km/h um. Sofort kamen Zweifel am Konzept eines kurzen, hohen Mercedes mit Sandwichboden und am Vertrauen in die Ingenieurskunst auf. Mercedes überarbeitete das Fahrwerk, änderte die Reifen und baute das elektronische Sicherheitsnetz ESP serienmäßig ein. Am Konzept änderte Mercedes bis 2012 jedoch nichts.
Jaguar Type 00

Der Jaguar Type 00 ist kein Serienauto im klassischen Sinn, sondern ein Manifest auf Rädern. Ein Ausdruck eines neuen Designs. Als Jaguar Ende 2024 erstmals die neue Studie präsentierte, erschütterte das British Empire in den Grundfesten. Der ur-englische Autobauer drehte die Marke auf links: neues Logo, neue Bildsprache, Elektro-Luxus statt Sportlimousinen-Romantik, dazu ein kubisches Fahrzeug mit langer Haube, glatter Flanke und knalligen Farben. Für die Jünger ein unverzeihlicher Stilbruch: zu wenig Katze, zu wenig Eleganz und zu gewöhnlich.
Pontiac Aztek

Der Pontiac Aztek war seiner Idee nach seiner Zeit voraus. Ein früher Crossover mit variabler Kabine, hoher Sitzposition, Freizeitnutzen und Camping-Zubehör: Das klingt heute fast normal. Nur sah der Aztek aus, als hätten mehrere Designabteilungen gleichzeitig an verschiedenen Autos gearbeitet und am Ende alles zusammengeschraubt. Die Front war zerklüftet, die Seitenlinie unruhig, das Heck optisch zu massiv und die Kunststoffbeplankung grobschlächtig. Interessanter Fakt: Als Neuwagen war der Aztek ein Spottobjekt. Später erhielt er durch die Serie „Breaking Bad“ Kultstatus.
Ford Scorpio II

Der Ford Scorpio II war ein Fall von falschem Auto zur falschen Zeit. In der oberen Mittelklasse erwarteten europäische Kunden klare Linien und eine gewisse Zurückhaltung. Ford lieferte 1994 ein rundliches Auto mit Glubschaugen-Front, ovalen Scheinwerfern und einem Heck, das vielleicht den US-Geschmack traf, aber im Dienstwagenpark deplatziert wirkte. Die Technik und der Komfort waren konkurrenzfähig. Inzwischen gilt der Scorpio als Synonym für missglücktes europäisches Ford-Design. Die Rettung gelang nicht. Das Modell verschwand, und Ford zog sich später aus der oberen Mittelklasse zurück.
Nissan Juke

Der erste Nissan Juke hatte 2010 wenig mit einem Kindchenschema gemein. Hohe Kotflügel, aufgesetzte Tagfahrlichter, große Rundscheinwerfer darunter, coupéartige Dachlinie und kräftige Hüften: Das Auto schaute nicht freundlich, sondern wie ein aufgeblasener Blech-Frosch. Doch Nissan hatte den richtigen Nerv getroffen. Der Juke polarisierte, aber er verschwand nicht in der Masse. Genau das machte ihn erfolgreich. Nissan musste deshalb nicht zurückrudern, sondern konnte das Konzept fortführen.

