Britischer Wildfang
Der Morgan Supersport 400 ist nicht bloß eine nachgeschärfte Variante der normalen Brit-Sportlers. Der 400er ist die neue Speerspitze des Portfolios und nebenbei der leistungsstärkste Serien-Morgan aller Zeiten – mit mehr als 400 PS.
Klar, Morgan-Modelle sind eine britische Legende. Basierend auf derselben geklebten Aluminium-Plattform der CXV-Generation wie das Standardmodell, nutzt der neue Supersport 400 den aktuellen B58-Reihensechszylinder von BMW mit 402 PS – obligatorisch gekoppelt an die bekannte Achtgang-Automatik. Was ein Schub – was eine Kraft, wenn das Sportcoupé einmal anschiebt. Aus dem Stand geht es in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und wenn gewünscht ist der Brite 290 km/h schnell – das ist allemal spektakulär. Um das einmal am griffigen Steuer zu erleben zu können, wird es teuer – sehr teuer, denn mit einem Nettopreis von knapp 140.000 Euro ist der Supersport 400 rund 35.000 Euro teurer als das 335 PS starke Standardmodell – eine ebenso kostspielige wie begehrenswerte Alternative.

Das Herzstück dieser automobilen Anziehungskraft bildet der Antriebsstrang. Das BMW-Aggregat ist an sich schon exzellent, doch im Supersport 400 wirkt es geradezu schelmisch-wild. Es säuselt wie ein GT-R, um dann mit einem Knallen, Knistern und Bollern aufzuwarten, das an einen alten Jaguar F-Type erinnert. Morgan hat dem Modell eine durchsatzstarke Active-Performance-Exhaust-Abgasanlage spendiert, die dem Wagen einen Soundteppich verleiht, der weitaus ungestümer ist, als es die elegante Karosserie vermuten ließe.
Eben jener Kontrast macht einen Teil seines Charmes aus. Dem Supersport 400 wohnt eine Frechheit inne, da die extrovertierte Natur seines Antriebs nicht ganz mit der klassisch-eleganten Formensprache des Morgan harmonieren will. Passanten hören ihn herannahen, drehen sich um – und wirken verblüfft über das, was ihnen da vor die Augen fährt. Kein Muskelprotz im Anzug – vielmehr ein Athlet im hautengen Spandex-Dress – der jedoch Monokel und Zylinder trägt. Im Innenraum präsentiert sich der Supersport 400 erfrischend puristisch, denn der Fahrer wird nicht mit unnötigen Ablenkungen überflutet. Spezielle Alcantara-Applikationen geben der eng geschnittenen Kabine eine sportliche Note. Morgan spendiert dem 400er neben Alcantara-Steuer und Aluminium-Wählhebel maßgefertigte Ziernähte und exklusive Zifferblatt-Designs.

Die gesteigerte Dynamik hat Morgan dabei nicht allein durch schiere Leistung erzielt. Der Supersport 400 ist serienmäßig mit einem Handling Paket ausgestattet, das verstellbare Nitron-Stoßdämpfer, eine überarbeitete Fahrwerksgeometrie sowie eine modellspezifische Abstimmung umfasst. Hinzu kommen geschmiedete 19-Zoll-Sportlite-Leichtmetallräder, Michelin Pilot Sport 5-Reifen sowie ein optionales Sperrdifferenzial. Das alles soll nicht nur im Grenzbereich für mehr Souveränität, Präzision und Kontrolle zu sorgen – und genau das ist spürbar. Die Frontpartie reagiert wach und direkt, während der Doppelsitzer sauber einlenkt. So stellt sich das spielerische Gefühl ein, als würde das Fahrwerk willig mit dem Piloten zusammenarbeiten, anstatt lediglich zu versuchen, die Kraft des Motors im Zaum zu halten.
Das Fahrgefühl des Supersport ist nennenswert straffer als beim Serienmodell, denn der man spürt den Asphalt unter sich recht deutlich, wobei wunderbar sofaartigen Sitze deutlich mehr dieser Eindrücke herausfiltern, als zu erwarten. Zudem ist im Fahrwerk noch immer ein charmantes Maß an Eigenbewegung spürbar – ein Merkmal, das sich bei einem Morgan irgendwie genau richtig anfühlt, anstatt zu stören. Wer es etwas sanfter mag, kann die Stoßdämpfer in 24 Stufen verstellen. Windgeräusche bleiben wenig überraschend ein sehr fester Bestandteil des Fahrerlebnisses. Die ZF-Achtgang-Automatik schaltet gewohnt schnell und harmoniert so gut mit dem Charakter des Wagens, auch wenn der eigentliche Star der Motor selbst ist.
So überzeugend sich bereits der normale Morgan Supersport bewegen lässt – der 400er hinterlässt einen deutlich bissigeren Eindruck. Er wirkt wilder, rauer und ist noch offensichtlicher von seinem Antriebsstrang geprägt. Noch wichtiger: Er bleibt ein wahrhaft einzigartiges Paket, denn wo gibt es sonst einen britischen Sportwagen in traditioneller Karosseriebauweise gefertigt mit klassischem Charme und moderner BMW-Power?

Technische Daten: Morgan Supersport 400
- Motor: 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit Turbo
- Leistung: 296 kW / 402 PS
- Max. Drehmoment: 450 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,6 Sekunden
- Getriebe: Achtgang-Automatik
- Normverbrauch: 7,6 Liter / 180 g CO2
- Leergewicht: 1.170 kg
- Preis: 138.958 Euro (netto)













