Alles für die Familie
Die chinesischen Autohersteller machen sich zunehmend auf dem deutschen Markt breit. Während der Verkaufsanteil mit rund 3,4 Prozent in den ersten fünf Monaten des Jahres noch überschaubar erscheint, sieht es bei den elektrifizierten Modellen ganz anders aus. Hier kommt bereits jedes zehnte Auto mit Stecker aus China. Dabei gibt es weit mehr als BYD oder MG, denn gerade der gigantische Chery Konzern hat großes vor.
Während Chery in Deutschland noch vergleichsweise unbekannt und die Verkäufe überschaubar sind, sieht das in Ländern wie Spanien, Polen, Italien oder Großbritannien ganz anders aus. Chery bietet seine Fahrzeuge dabei nicht unter dem eigenen Konzernlabel, sondern unter den Markennamen Omoda und Jaecoo an. Erklärungen für die europäische Zwei-Marken-Strategie und die beiden Namen gibt es viele – überzeugen kann kaum eine davon, denn an sich unterscheiden sich die Fahrzeugklassen von Jaecoo und Omoda nicht. Letztlich sind es zwei Kunstbezeichnungen, die bevorzugt technisch eng miteinander verwobene Crossover ankündigen, die den Vergleich zur europäischen und asiatischen Konkurrenz keinesfalls scheuen müssen – im Gegenteil.

Das chinesische Firmenkonglomerat beinhaltet dabei eine ganze Reihe von Marken – allein bei den Pkw sind neben dem Europa-Doppelpack zudem Exeed, Chery und Jetour – sehr erfolgreich in den Arabischen Emiraten – im Programm. In diesem Jahr soll die Zahl der weltweit produzierten Fahrzeuge von zuletzt 2,6 auf 2,8 Millionen steigen. Zudem will der Konzern speziell in Europa sowie Südamerika an seiner Bekanntheit arbeiten und hat als Markengesicht jüngst den Fußballstar Robert Lewandowski als Botschafter vorgestellt. „Jede unserer Innovationen wird von einem einzigen ursprünglichen Leitgedanken getragen: für die Familie“, erläutert Jeff Zhang, CEO von Chery, „wir sind davon überzeugt, dass ein Auto niemals bloß ein Fortbewegungsmittel ist, sondern ein Teil des Zuhauses.“
Auf der iberischen Halbinsel hat sich die Chery mit seinem Marken-Doppelpack bereits unter die sechs erfolgreichsten Marken emporgearbeitet – zumindest bei den Privatkunden. In Großbritannien schockte der erst Ende vergangenen Jahres präsentierte Mittelklasse-Crossover Jaecoo 7 im ersten Quartal die etablierten Wettbewerber. In den Monaten Januar und März war der Jaecoo 7 das meistverkaufte Auto Englands und verdrängte den Seriensieger Ford Puma auf Platz zwei. Betrachtet man die ersten fünf Monate des Jahres 2026 so sprang der chinesische SUV aus dem Stand auf Platz zwei – hinter Ford Puma und vor Kia Sportage und Nissan Qashqai.
Diesen Erfolg will Chery auch in anderen Ländern wiederholen. In Spanien, Polen und Italien läuft es mit Marktanteilen zwischen 1,0 und 2,5 Prozent bereits gut, doch gerade auf dem so imageträchtigen deutschen Markt sollen Jaecoo und Omoda mit ihren SUV-Produkten Kunden von Volumenmarken wie Volkswagen, Skoda, Kia, Hyundai oder Peugeot gewinnen. Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren hat Chery sich in Europa breit gemacht; ist mit seinen acht Tochtergesellschaften in mittlerweile 25 Ländern vertreten. Demnächst sollen Estland, Lettland und Serbien hinzukommen. Graue Flächen gibt es nur noch in Irland, Schweden, Finnland und entlang der östlichen Adriaküste. Weltweit fertigt Chery in 16 Ländern und betreibt elf Entwicklungszentren – allein drei in Europa.

In Deutschland soll die Zahl der aktuell rund 40 Chery-Standorte bis zum Ende des Jahres auf 100 steigen; die Zielgröße für Handelsstandorte mit vollständiger Werkstatt- und der so wichtigen Service-Infrastruktur liegt bei 240. 8.000 Fahrzeuge sollen an diesen Standorten in 2026 verkauft werden. Das mittelfristige Ziel ist deutlich fünfstellig und soll durch jeweils vier Modelle erreicht werden, die Jaecoo und Omoda zu den Kunden bringen. Startmodelle sind der 4,50 Meter lange Jaecoo 7, der auf der hauseigenen T1X-Plattform unterwegs ist und von einem 205 kW / 279 PS / 365 Nm starken Hybridmotor nebst 18,3-kWh-Batterie angetrieben wird. Seine Reichweite von 1.200 Kilometern hat Dieselniveau; elektrisch sind es immerhin 90 Kilometer. Das Design ist betont selbstbewusst, trägt mehr als einen Hauch Range Rover in sich und der Chinese bietet im Innenraum jede Menge Luxus zu Preisen ab günstigen 36.900 Euro. Ihm sollen der Jaecoo 5, erhältlich als Elektroversion und Hybrid, sowie der größere Jaecoo 8 PHEV folgen.
Omoda ist nicht nur durch sein Topmodell Omoda 9 PHEV (T2x-Plattform) edler positioniert und soll die Premiumliga angreifen. Der 4,78 Meter lange SUV wirkt schicker und hochwertiger als der kleine Konzernbruder und spielt schon durch seine Komfortausstattung mit allem nur erdenklichen Luxus und einem leistungsstarken Plug-in-Hybridantrieb in einer anderen Liga. Doch trotz einer Ausstattung, die kaum Wünsche offenlässt und einem Antrieb mit 394 kW / 537 PS / 650 Nm kostet der Edel-Crossover gerade einmal 52.900 Euro. Dafür gibt es sonst gerade einmal einen mäßig ausgestatteten Skoda Kodiaq 1.5 PHEV mit 150 kW / 204 PS. Das 34,5 kWh große Batteriepaket des Omoda 9 PHEV ermöglicht eine Gesamtreichweite von 1.100 Kilometern. Rein elektrisch sind es mehr als 140 Kilometer, bis nachgeladen werden muss oder der Verbrenner einspringt. Ihm folgen die kleineren Modelle Omoda 4 (Hybrid / PHEV) sowie Omoda 5 (Hybrid / Elektro) und der Omoda 7 als Plug-in-Hybrid.
Die Chery Group, erst 1997 gegründet, hat sich gerade für Europa viel vorgenommen und insbesondere die Großkonzerne Volkswagen, Stellantis oder Renault-Nissan können sich auf einiges einstellen, denn anders als in der Vergangenheit macht eben nicht allein der günstige Preis die Musik. Gelungenes Design, exzellente Ausstattung und zeitgemäße Technik gepaart mit einem Sieben-Jahres-Garantiepaket und einem flächendeckenden Händlernetz unterstreichen die Ambitionen, die Chery in Europa hat. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Chery – nicht zuletzt auch durch seine Nutzfahrzeuge, die auch unter Karry, Wanda und REV vertrieben werden – der größte chinesische Autoexporteur. Doch mussten es wirklich diese beiden Markennamen sein?
















