Mille Miglia 2026

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VonStefan Grundhoff

17. Juni 2026

Die Spannung steigt

Es dauert noch fast ein Jahr und trotzdem gab es bei der Mille Miglia 2026 fast nur ein Thema: die Mille 2027. Denn im kommenden Jahr feiert das bekannteste Oldtimerrennen der Welt seinen 100. Geburtstag. Dabei musste niemand auf 2027 warten, um begeistert zu sein. Die Mille ist die Mille – bleibt die Mille – naja fast.

Natürlich war die Freude groß, als sich Juan und Margarita Tonconogy schließlich auf der Finalrampe in Brescia präsentierten. Am Steuer ihres Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Zagato von 1931 mit der Startnummer 61 verteidigte das argentinische Rennfahrerduo auch am letzten Tag erfolgreich seine Führung gegen die vehementen Angriffe der Konkurrenz und riss die Arme hoch. Für Juan Tonconogy war es nach 2013, 2016 und 2018 bereits der vierte Sieg bei der Mille Miglia; doch zum ersten Mal gewann der Südamerikaner gemeinsam mit seiner Schwester Margarita. Damir riss die außergewöhnliche Siegesserie von Andrea Vesco, der die Mille bei den vergangenen sechs Veranstaltungen gewinnen konnte und seit 2020 zum Seriensieger avancierte. Immerhin langte es in diesem Jahr für die Heimspieler Andrea Vesco und Fabio Salvinelli aus Brescia in ihrem Alfa Romeo 6C 1750 SS Spider Zagato von 1929 mit der Startnummer 43 zu Platz zwei. Bis zum Zieleinlauf lieferten sich die beiden Norditaliener ein spannendes Duell mit dem Geschwisterpaar Juan und Margarita Tonconogy. Auf Platz drei im Gesamtklassement kaum weniger beeindruckend: Lorenzo und Mario Turelli am Steuer ihres dreiäugigen O.M. 665 S MM Superba von 1929.

Doch bei der Mille Miglia 2026 ging es wie in jedem Jahr um so viel mehr als Sieg, Platz und Ausfall. Länger ist die Strecke mit rund 2.000 Kilometern spürbar als die einst namensgebende Distanz von 1.000 Meilen und mittlerweile wird die Mille Miglia nicht als Straßenrennen veranstaltet, sondern eine flotte Gleichmäßigkeitsfahrt von Brescia nach Rom und wieder zurück; mittlerweile ausgerollt auf fünf Etappen und damit nicht mehr so lang und kräftezehrend für Fahrer, Unterstützungsteams und historische Boliden. Es geht unverändert so wild wie nirgends anders durch den fließenden italienischen Alltagsverkehr und wer das Glück hat, einen geneigten Motoradpolizisten vor sich zu haben, der donnert am Rande aller Legalitäten in einem Mercedes 300 SL Flügeltürer, Bugatti T35 oder einem offenen BMW 328 durch den Gegenverkehr und sieht die weißen Ortschilder wie im Zeitraffer – leider ohne Zeit für Cornetto oder Espresso. Damit beim Zieleinlauf in Brescia auch Gewinner gekürt werden können und es keine reine Oldtimerausfahrt durch das sonnenreiche Italien ist, müssen die rund 430 teilnehmenden Teams insgesamt 144 Zeitfahrten und acht Durchschnittsprüfungen absolvieren, ehe die Zielrampe auf der Viale Venezia in Brescia lockt. Tour und Landschaften sind dabei kaum weniger spektakulär als historische Innenstädte, Marktplätze oder eben die Oldtimer wie Aston Martin Le Mans, Bristol 400, Bandini 750 S oder Mercedes 300 SL Prototyp selbst, die sich bei bestem Wetter durch Venetien, Toskana oder Latium eiligst ihren Weg bahnten. 

Die Klassiker müssen dabei aus den Jahren des Ursprungsrennens stammen, das von 1927 bis 1957 stattfand und an einem Stück als Hochgeschwindigkeitsrennen im fließenden Straßenverkehr absolviert wurde. Die Rekordzeit für die fast 1700 Kilometer liegt – aufgestellt beim Rennen im Jahre 1955 von Stirling Moss und Denis Jenkins in einem Mercedes 300 SL Flügeltürer einst bei kaum mehr als zehn Stunden mit einem Durchschnittstempo von fast 160 km/h – heute wie damals unglaublicher denn je. Das wird im kommenden Jahr, bei der 100. Jubiläumsauflage genauso sein. Dann rückt der Termin jedoch wieder nach vorn in die zweite Maihälfte – wo einst auch das Ursprungsrennen veranstaltet wurde.

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