Für die coole Familie
Cupra hat sich und seinen Modellen in den vergangenen Jahren ein Marktsegment kreiert, dessen Lücke zuvor kaum absehbar war. Die Volumentechnik aus dem Volkswagenkonzern in einem coolen Look mit Premiumanspruch. Bestes Beispiel ist der Cupra Formentor, der im Praxistest nicht allein optisch gefallen kann.
Die Premiummarken BMW, Mercedes und Audi sind in den vergangenen Jahren teuer – sehr teuer – geworden. Doch so mancher Familienvater möchte zwar einen Crossover fahren, jedoch nicht in der breiten, weitgehend undefinierbaren SUV-Masse untergehen. Cooler Look, aktuelle Technik und ein Hauch Extravaganz verbreitet der edle Seat-Ableger aus dem nordspanischen Martorell. Nicht günstig, aber für viele noch bezahlbar und so ist Seat stolz auf seine betont junge Submarke Cupra, mit der man sich deutlich nach oben positionieren konnte. Das sportliche Aushängeschild der Spanier ist dabei ein Modell wie der Cupra Formentor, der im Gegensatz zu anderen Modellen keinen direkten Seat-Bruder hat. Technisch ist der Formentor eine Mischung aus dem Audi Q3 und dem VW Tiguan R – der Look ist sehenswert, der Antrieb für viele mehr als interessant. Einer besonderen Sportversion bedarf es dabei nicht, denn die Cupra-Modelle sind gemeinhin als Topmodelle des Segments positioniert. Da macht der schmucke Cupra Formentor mit seinen ausgestellten Radhäusern, der grimmigen Front mit LED-Augen und dem dynamischen Heck keine Ausnahme.

Nicht allein, wer sich das Auto vielleicht sogar als Dienstwagen bestellen kann, schielt schnell zum Plug-in-Hybriden herüber, der einen Großteil der Alltagsstrecken rein elektrisch zurücklegen kann. Die elektrische Reichweite des 4,45 Meter langen Kompakt-SUV liegt bei mehr als 100 Kilometern. Angetrieben wird der Formentor PHEV von einem nur 1,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner, der in der bekannten VW-Antriebseinheit (wahlweise 150 oder 177 PS) von einem Elektromotor unterstützt wird. Die Basisvariante mit 150 kW / 204 PS ist allemal ausreichend, doch wer das sportliche Auftritt mit einer entsprechenden Kraftreserve unterstreichen will, für den dürfte die stärkere Hybridvariante die richtige Wahl sein, die in der aktuellen VZ-Version mit 54.705 Euro nur 300 Euro mehr als die schwächere PHEV-Version mit dem edlen Tribe-Paket kostet – eine einfache Entscheidung. Somit stehen für den Vortrieb stattliche 200 kW / 272 PS zur Verfügung und der Fahrer kann ein Systemdrehmoment von 400 Nm nutzen. Entsprechend dynamisch ist der Antritt des Spaniers, der schnell die größte Schwäche offenbart. Denn während der 85 kW / 116 PS starke Elektromotor den vermeintlich kleinen Hubraum des Vierzylinders noch überspielen kann, zuckt und zupft es spürbar in der Lenkung, denn der Spanier wird als Hybridversion nur über die Vorderachse angetrieben.
Und wer die Antriebseinheit zeigen lassen will, was sie kann, merkt schnell, dass die 200 kW / 400 Nm nicht allein bei schlechtem Wetter etwas viel für die Vorderachse als einzige Antriebsräder sind. Wieso Volkswagen, einst für Hightech bekannt, hier seit Jahren eine offene Flanke lässt, verstehen nur wenige, denn auch Schwestermodelle auf gleicher Plattform wie VW Tiguan / Tayron oder Audi Q3 verfügen als Plug-in-Varianten nur über einen Frontantrieb. Dieser jedoch bietet jedoch Fahrleistungen, die gefallen, denn aus dem Stand beschleunigt der engagierte Spanier in 7,2 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Nicht opulent für 272 PS, aber für die meisten Kunden in diesem Segment mehr als ausreichend. Doch viel mehr als die Hatz nach sportlichen Bestleistungen dürfte die Interessenten der hohe Alltagsnutzen interessieren und hier kann das knapp 26 kWh große Akkupaket (19,7 kWh nutzbar) allemal punkten, denn es übernimmt einen Großteil der Antriebsenergie. An die zugegeben spürbare Verkleinerung des Laderaums von 450 auf weniger als 350 Liter gewöhnt man sich in der Praxis schneller als erwartet, denn wenn der Raum hinter der elektrischen Kofferraumklappe nicht reicht, wird einfach ganz oder in Teilen die Rückbank umgelegt – alles daher kein Problem.

Entweder an der heimischen Wallbox oder an einem Schnelllader mit bis zu 50 kW (Ladedauer 26 Minuten) erstarkt, bietet das vollgeladene Batteriepaket im Hinterwagen eine Normreichweite zwischen 100 und 140 Kilometern – je nach Fahrprofil und Innenstadtanteil. Selbst wer flott unterwegs ist, kann locker 80 Kilometer und mehr rein elektrisch fahren. Daher laufen die Plug-in-Hybriden nicht allein wegen der länderspezifischen Subventionen so erfolgreich. Am griffigen Lenkrad kann der Fahrer in die einzelnen Fahrprogramme eingreifen – den Rest erledigt das Engagement im Gasfuß.
Das Gesamtpaket des immerhin über 1,7 Tonnen schweren Cupra Formentor e-hybrid ist stramm; auch weil die Räder ab 19-Zöller üppig dimensioniert sind und ein allzu weiches Fahrwerk kaum zu einem so dynamisch positionierten Crossover passen würde. Ungemütlich wird es allein bei zerborstener Fahrbahn und harten Querfugen, sonst filtern Dämpfer und Federn alles störende hinweg. Die Lenkung ist direkt – störend allein die besagten Antriebskräfte, die man nur mit einem seichten Gasfuß eindämmen kann.
Das ansprechende Außendesign findet sich auch im Innern wieder, denn die wohl konturierten Sitze sind bequem, könnten sich jedoch noch etwas umfangreicher verstellen lassen. Gerade auf längeren Strecken sind die Sportstühle einfach klasse – und zwar für Personen nahezu jeder Größe. Das Platzangebot vorne ist gut, doch darf man in dieser Klasse für den Fond keine Wunder erwarten. Die möglichen zwei Erwachsenen sollten kein Gardemaß haben und an drei Personen dürfte in Reihe zwei auch auf Kurzstrecken niemand einen Gedanken verschwenden. Klasse ist der große Zentralbildschirm, der Navigation, Sicherheits- und Komfortfunktionen übersichtlich steuert. Das Digitaldisplay hinter dem Lenkrad präsentiert sich je nach Darstellung jedoch allzu unübersichtlich. Das können andere besser.

Technische Daten: Cupra Formentor
- Motor: Benziner mit Elektromotor
- Hubraum: 1498 ccm
- Leistung: 200 kW / 272 PS
- Max. Drehmoment: 400 Nm
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,2 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
- Getriebe: sechsstufige Doppelkupplung
- Antrieb: Front
- Leergewicht: 1.742 kg / 533 kg Zuladung
- Normverbrauch: 1,6 Liter / 13,6 kWh / 100 km / 36g CO2
- Batteriegröße: 25,8 kWh / 19,7 kWh nutzbar
- elektrische Reichweite: 117 km
- Preis: 54.705 Euro
















