Neuvorstellung: Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung

646 PS, Heckantrieb mit Sperre und 170 Kilogramm weniger Gewicht: Die AMG-Spezialanfertigung des CLE ist ein Hammer. Sprichwörtlich.

Der Achtzylinder gibt sich wieder die Ehre

Hochleistungs-Coupé, Kleinstserie, kompromissloser Motorsport-Anspruch: Die Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung kombiniert einen überarbeiteten V8-Biturbo mit reinem Hinterradantrieb und einer konsequenten Leichtbaukarosserie. Das Ergebnis ist ein auf 30 Exemplare limitiertes Sammlerstück der sogenannten Mythos Serie, das bereits vor der offiziellen Weltpremiere komplett ausverkauft war.

Wer sich fragt, warum ein Hersteller mitten in der Elektrifizierungsphase des eigenen Modellprogramms noch einmal einen derart kompromisslosen Verbrenner auflegt, findet die Antwort weniger in der Bilanz als in der eigenen Firmengeschichte: Mit dem CLE 646 zollt AMG dem legendären AMG 300 CE 6.0 „Hammer“ aus den 1980er-Jahren Tribut, einem der brachialsten Fahrzeuge, die Affalterbach je gebaut hat. Und anders als bei vielen aktuellen Sondermodellen handelt es sich dabei nicht um ein reines Optikpaket, sondern um einen wirklich tiefgreifenden Umbau, der praktisch jeden Bereich des Fahrzeugs betrifft, vom Antriebsstrang über die Karosserie bis zum Innenraum.

Endlich ist der V8-Motor zurück: Der M177 EVO dreht wieder frei

Das Herzstück der Spezialanfertigung ist ein gründlich überarbeiteter 4,0-Liter-V8-Biturbo mit der internen Bezeichnung M177 EVO. Eine Flat-Plane-Kurbelwelle sorgt für ein besonders drehfreudiges Ansprechverhalten und einen charakteristischen, hochfrequenten Klang, den eine Akrapovič-Titan-Abgasanlage ungefiltert nach außen trägt.

In der Spitze mobilisiert der Motor 475 kW beziehungsweise 646 PS bei 6.000 Umdrehungen pro Minute, das maximale Drehmoment liegt bei 850 Nm zwischen 2.500 und 4.500 Umdrehungen pro Minute. Diese Werte liegen deutlich über dem, was die zivilen CLE-Coupés leisten. Allerdings: Der V8 wird in etwas zahmerer Version auf in die regulären CLE ohne AMG-Breitbau zurückkommen.

Fachwissen am Rande: Die Flat-Plane-Kurbelwelle der 646 Spezialanfertigung, die man aus dem Motorsport und von hochdrehenden Achtzylindern anderer Hersteller kennt, bringt neben dem drehfreudigeren Charakter allerdings auch praktische Nachteile mit sich, etwa ein tendenziell raueres Laufverhalten bei niedrigen Drehzahlen. Für ein Alltagsfahrzeug wäre das für einen Mercedes nicht tragbar, für eine auf 30 Exemplare limitierte Motorsport-Hommage ist es aber ein bewusst gewähltes Charaktermerkmal.

Hammer-Antrieb: Der Allradverzicht als bewusste Ansage

Besonders auffällig ist die Entscheidung gegen das serienmäßige 4MATIC+-Allradsystem. Bei der Spezialanfertigung wurde dieses System vollständig entfernt, die gesamte Kraft läuft stattdessen über ein AMG-SPEEDSHIFT-TCT-9G-Wandlergetriebe ausschließlich an die Hinterachse. Ein mechanisches Hinterachs-Sperrdifferenzial sowie eine in neun Stufen einstellbare Traktionskontrolle sollen dabei helfen, die Kraft kontrollierbar zu halten.

Für Fahrerinnen und Fahrer, die zuvor nur allradgetriebene AMG-Modelle gefahren sind, bedeutet das dennoch einen deutlich anspruchsvolleren Charakter. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,9 Sekunden nur, wer den Gaseinsatz in Einklang mit dem Gripniveau von Reifen und Piste bringen kann. Auf 200 km/h geht es insgesamt in 11,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.

Dass diese Werte trotz des Verzichts auf die gnadenlose 4Matic-Traktion auf einem ähnlich hohen Niveau liegen, dürfte vor allem der deutlichen Gewichtsreduktion und der überarbeiteten Traktionskontrolle zu verdanken sein.

Gaga-Karosserie: Wahnsinniger Breitbau mit konsequentem Carbon-Einsatz

Optisch unterscheidet sich die Spezialanfertigung deutlich vom zivilen CLE. Die Spurweiten wurden vorn und hinten um 60 Millimeter verbreitert. Nahezu die gesamte Außenhaut besteht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff: Kotflügel mit integrierten Entlüftungsöffnungen, Frontschürze, Längsträger, Heckschürze mit Diffusor, Motorhaube, Dach und der versteifte Kofferraumdeckel wurden aus dem Leichtbauwerkstoff gefertigt. Die Heckscheiben bestehen aus leichtem Polycarbonat statt aus Glas.

Diese konsequente Materialwahl dient primär der Gewichtsreduktion, hat aber auch spürbare Auswirkungen auf die Optik, die deutlich martialischer ausfällt als beim Serienmodell. Für Kundinnen und Kunden, die im Alltag ein dezenteres Erscheinungsbild bevorzugen, dürfte diese Auffälligkeit eher ein Nachteil sein, für die eigentliche Zielgruppe der Spezialanfertigung ist sie jedoch offensichtlich Teil des Konzepts und dürfte kaum jemanden überraschen.

Motorsport-Aerodynamik: Zwischen Straße und Rennstrecke einstellbar

Die aerodynamischen Anbauteile lassen sich manuell verstellen. Der Frontdiffusor kann zwischen den Modi „Street“ und „Race“ umgestellt werden und erzeugt im Race-Modus über den Venturi-Effekt zusätzlichen Abtrieb an der Vorderachse. Der auf Trapezabstützungen montierte Carbon-Heckflügel lässt sich zusätzlich im Anstellwinkel anpassen. In der Summe erzeugt das Aeropaket bei Höchstgeschwindigkeit einen Abtrieb von über 250 Kilogramm, ein für ein Serienfahrzeug sehr hoher Wert.

Für den alltäglichen Betrieb im Straßenverkehr ist ein derart ausgeprägtes Aeropaket streng genommen überdimensioniert, seinen eigentlichen Nutzen entfaltet es erst bei den hohen Geschwindigkeiten, die auf öffentlichen Straßen ohnehin kaum ausgefahren werden dürfen. Beim Presseauto ist zudem eine zweifarbige Lackierung zu sehen, vorne in Mojavesilber magno, ab der B-Säule in Obsidianschwarz magno.

Innenraum und Fahrwerk: Konsequenter Leichtbau bis ins Detail

Im Innenraum wurden Dämmmaterialien, die Rücksitzbank sowie Komfort- und Assistenzsysteme wie die Einparkhilfe Parktronic entfernt. Stattdessen sitzen Fahrer und Beifahrer auf ultraleichten Rennschalensitzen, umgeben von Türverkleidungen aus Carbon und einem fest integrierten Überrollbügel. In Summe reduziert sich das Gewicht durch den Wegfall von Allradsystem, Rücksitzen, Dämmmaterial und Komfortsystemen um 170 Kilogramm gegenüber dem Basismodell; das Leergewicht nach DIN liegt bei 1.895 Kilogramm.

Für das Fahrwerk hat AMG mit dem Spezialisten KW automotive zusammengearbeitet und ein Stahl-Gewindefahrwerk mit 4-Wege-Dämpfertechnologie entwickelt. Low-Speed- und High-Speed-Druck- sowie Zugstufe lassen sich unabhängig voneinander einstellen, sodass sich das Fahrwerk theoretisch auf unterschiedliche Rennstrecken abstimmen lässt. Für die Verzögerung sorgt eine AMG-Keramik-Hochleistungs-Verbundbremsanlage mit goldfarbenen Bremssätteln und 420 Millimeter großen Bremsscheiben an der Vorderachse.

Sowohl das aufwendig einstellbare Gewindefahrwerk als auch die Keramikbremsanlage sind typische Komponenten, die man aus dem Motorsport oder aus exklusiven Kleinserienfahrzeugen kennt, im Alltagsbetrieb eines normalen CLE aber nicht zwingend benötigt. Für Käuferinnen und Käufer, die das Fahrzeug tatsächlich regelmäßig auf der Rennstrecke bewegen möchten, dürfte sich der Aufwand jedoch auszahlen, insbesondere durch die unabhängige Einstellbarkeit von Low-Speed- und High-Speed-Dämpfung, die eine deutlich feinere Abstimmung erlaubt als bei einem festen Serienfahrwerk.

Preis der Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung

Eine offizielle Preisangabe liegt für die Spezialanfertigung nicht vor. Da die auf 30 Exemplare limitierte Kleinserie bereits vor der offiziellen Weltpremiere vollständig ausverkauft war, hat Mercedes-AMG keinen Preis öffentlich kommuniziert.

Für Interessentinnen und Interessenten, die kein Exemplar mehr erhalten konnten, bleibt aktuell nur der Blick auf den zivilen CLE als Alternative, der zeitnah auch mit V8 an den Start rollen dürfte.

Technische Daten: Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung

  • Motor: 4,0-Liter-V8-Biturbo (M177 EVO) mit Flat-Plane-Kurbelwelle
  • Leistung: 475 kW (646 PS) bei 6.000 U/min
  • Drehmoment: 850 Nm zwischen 2.500 und 4.500 U/min
  • Antrieb/Getriebe: reiner Hinterradantrieb, AMG SPEEDSHIFT TCT 9G, Hinterachsdifferenzial mit Sperre
  • Beschleunigung: 0–100 km/h in 3,9 s, 0–200 km/h in 11,4 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
  • Leergewicht (DIN): 1.895 kg (−170 kg gegenüber Basismodell)
  • Fahrwerk: KW-Stahl-Gewindefahrwerk mit 4-Wege-Dämpfertechnologie
  • Bremsen: AMG Keramik-Verbundbremsanlage, 420 mm vorn, goldfarbene Sättel
  • Aerodynamik: verstellbarer Frontdiffusor, verstellbarer Carbon-Heckflügel, über 250 kg Abtrieb bei Höchstgeschwindigkeit
  • Karosserie: 60 mm verbreiterte Spur vorn und hinten, weitgehend Carbon-Außenhaut, Polycarbonat-Heckscheiben
  • Limitierung: 30 Exemplare weltweit, Handfertigung in Affalterbach, bereits ausverkauft
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