Abspecken mit System
Der Bentley Continental Supersports ist die konsequenteste Ausbaustufe des Continental GT der jüngeren Generation. Statt auf zusätzliche Leistung durch einen Plug-in-Hybrid-Antrieb zu setzen, entfernt Bentley beim Supersports gezielt Gewicht und reduziert den Antrieb auf einen reinen Achtzylinder mit Hinterradantrieb. Das Ergebnis ist der nach Herstellerangaben leichteste Bentley seit 85 Jahren.
Wer beim Namen Bentley zuerst an behäbige Limousinen mit bequemer Rückbank denkt, muss beim Supersports über den eigenen Schatten springen. Denn die Rückbank existiert nicht mehr, und das ist beileibe nicht die einzige Änderung, die das Unternehmen aus Crewe an seinem bekanntesten Modell vorgenommen hat.

Ursprung: Eine Werkbank-Idee wird zum Serienmodell
Die Entstehungsgeschichte des Supersports begann im Sommer 2024 mit einer internen Diskussion einiger Bentley-Ingenieure über einen hinterradgetriebenen Continental GT mit einem Gewicht unter zwei Tonnen. Im September desselben Jahres wurde die Idee dem seit Kurzem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Frank-Steffen Walliser vorgestellt, der zuvor bei Porsche unter anderem für den 911 verantwortlich war und bei Bentley gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen möchte. Walliser gab dem Projekt grünes Licht, sodass die Serienversion innerhalb von rund zwei Jahren entwickelt werden konnte.

Antrieb: Ein deutlich verschärfter Vierliter-V8
Basis des Antriebs ist der aus dem Volkswagen-Konzern bekannte Vierliter-V8-Biturbomotor mit der internen Bezeichnung EA825, der für den Supersports mit Unterstützung von Porsche-Ingenieuren überarbeitet wurde. Dazu zählen größere Single-Scroll-Turbolader, ein verstärktes Kurbelwellengehäuse, überarbeitete Zylinderköpfe, eine verbesserte variable Ventilsteuerung sowie ein neues Zweimassenschwungrad. Der Motor behält seine charakteristische Crossplane-Kurbelwelle bei, die für einen ruhigeren Lauf und geringere Vibrationen sorgen soll.
Die Leistung steigt dadurch auf 490 kW beziehungsweise 666 PS bei einem maximalen Drehmoment von 800 Newtonmetern, was 49 kW respektive 66 PS mehr sind als beim V8 im Continental GT Speed. Mit 122,5 kW beziehungsweise 166,5 PS pro Liter erreicht der Motor die höchste spezifische Leistung, die Bentley bislang aus einem Serienaggregat herausgeholt hat. Der Sprint von null auf 100 km/h soll in 3,6 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h. Für die Akustik zuständig ist eine Abgasanlage aus Titan von Akrapovič, die den Sound des Crossplane-V8 unverstärkt nach außen trägt; auf eine elektronisch generierte Klangkulisse im Innenraum verzichtet Bentley bewusst.

Kraftübertragung: Das Getriebe lernt Disziplin
Auch das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe wurde für den Supersports überarbeitet. Stärkere Kupplungen und eine angepasste Schaltstrategie sollen die Gangwechsel beschleunigen, während das Zurückschalten beim harten Anbremsen einer Kurve neu abgestimmt wurde, um den nun rein heckgetriebenen Wagen stabiler zu halten. Die Hinterachsspur wächst um 16 Millimeter, ein elektronisches Sperrdifferenzial verteilt die Kraft zwischen den Hinterrädern, während vorne ein per Bremseingriff arbeitendes Torque Vectoring beim Eindrehen unterstützt. Die Hinterachslenkung lenkt, wie beim regulären GT, mit einem Winkel von bis zu 4,1 Grad mit.
Gewicht: Der größte Unterschied zum GT Speed
Mit 1.995 Kilogramm wiegt der Supersports 464 Kilogramm weniger als der Continental GT Speed. Den größten Anteil an dieser Reduktion liefert der Verzicht auf das Hybridsystem samt einer 25,9-Kilowattstunden-Batterie sowie auf den vorderen Antriebsstrang. Zusätzlich entfielen die Rückbank, die hinteren Sicherheitsgurte, ein Teil der Dämmung sowie einige Assistenzsysteme; die Audioanlage wurde auf den vorderen Innenraum reduziert. Auch das Dach besteht nun aus Carbon statt Aluminium, was zugleich den Schwerpunkt des Fahrzeugs senkt.

Fahrverhalten: Lebendiger, als man es von einem Bentley erwartet
Auf der Straße zeigen die Maßnahmen nach ersten Eindrücken Wirkung. Zwar fehlt dem Supersports der unmittelbare elektrische Antritt eines Plug-in-Hybrids, dafür soll der Spaßfaktor in Kurven gegenüber dem GT deutlich zunehmen. Die Vorderachse wirkt lebendiger, als man es von der Marke gewohnt ist, spricht direkt auf Lenkbefehle an und soll dabei dennoch eine beruhigende Sicherheit vermitteln. Auch Lastwechsel soll der Supersports souveräner wegstecken als die übrigen Continental-Modelle, auch wenn sich das grundsätzliche Fahrzeuggewicht naturgemäß nicht vollständig kaschieren lässt. „Das ist ein Auto, um langsam in die Kurve und schnell wieder herauszufahren“, beschreibt Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser das Konzept – ein Grand Tourer also, dem es weniger um Rundenzeiten als um Fahrfreude auf der Landstraße geht.
Für die passende Verzögerung sorgt eine Carbon-Keramik-Bremsanlage mit 440-Millimeter-Scheiben und Zehnkolben-Sätteln vorne sowie 410-Millimeter-Scheiben und Vierkolben-Sätteln hinten. Die leichten 22-Zoll-Schmiederäder stammen vom Fahrwerksspezialisten Manthey und sollen die ungefederten Massen reduzieren.

Aerodynamik: Mehr Abtrieb als beim GT Speed
Auch äußerlich orientiert sich der Supersports konsequent an der Funktion. Carbon kommt neben dem Dach auch bei den Außenspiegeln zum Einsatz. Vorne sitzen der größte Frontsplitter, den Bentley je an ein Serienfahrzeug montiert hat, zusätzliche Kühlluftführungen sowie übereinander angeordnete Dive-Planes zur Reduzierung des Auftriebs an der Vorderachse. B-förmige Kotflügel-Flaps entlüften die vorderen Radhäuser, neue Schweller ordnen die Strömung entlang der Flanken, und hinten sorgen neue Radhausöffnungen sowie ein überarbeiteter Diffusor für zusätzliche Luftführung.
Darüber thront ein feststehender, einteiliger Heckflügel, der auf einem Continental fast wie ein Stilbruch wirkt, aber notwendig ist: Durch den Wegfall des schweren Hybridmoduls über der Hinterachse verschiebt sich die Gewichtsverteilung auf 54:46 zugunsten der Vorderachse, während der GT Speed dank seiner hinter der Hinterachse montierten Batterie auf 49:51 kommt. Erst mit steigendem Tempo verschiebt die Aerodynamik die Lastverteilung wieder nach hinten. Insgesamt erzeugt das Gesamtpaket mehr als 300 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb gegenüber dem Continental GT Speed.

Preis des Bentley Continental Supersports
Der Bentley Continental Supersports kostet 420.000 Euro. Sämtliche 500 geplanten Exemplare waren bereits vor der offiziellen Markteinführung verkauft, sodass sich die Preisfrage für Neuinteressenten derzeit ohnehin nicht mehr praktisch stellt.

Technische Daten: Bentley Continental Supersports
- Typ: Zweitüriger, zweisitziger Gran Turismo
- Motor: V8-Biturbo-Benziner, Hubraum 3.996 cm³
- Leistung: 666 PS (490 kW)
- Max. Drehmoment: 800 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h
- Beschleunigung 0–100 km/h: 3,6 Sekunden
- Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
- Antrieb: Hinterradantrieb
- Kraftstoff: Benzin, 95–98 ROZ, bis E10
- Tankvolumen: 75 Liter
- Verbrauch (EU-Drittelmix): keine Angabe
- CO2-Ausstoß: keine Angabe
- Gewicht (Herstellerangabe): 1.995 kg
- Abmessungen (L/B/H): 4.989 / 1.974 / 1.391 mm
- Preis: 420.000 Euro









