
Tesla Modellgeschichte
Tesla hat längst Kultstatus. Mit sturer Beharrlichkeit sorgte die Marke aus Kalifornien für den Siegeszug der Elektroautos und für eine Kehrtwende auch bei anderen Autoherstellern.
Unkonventionelle Ideen waren von Anfang an das Ding der Entwickler bei Tesla. Als mit dem Roadster 2008 das erste Serienfahrzeugs des Herstellers auf den Markt kam, war es mit speziellen Akkus für die Stromversorgung von Autos noch nicht weit her. Kurzerhand packte man bei Tesla 6831 eigentlich für Laptops gedachte handelsübliche Lithium-Ionen-Akkus zusammen. Der Entwicklungsaufwand hielt sich in Grenzen: Von den Akkus wurden schon damals ein paar Milliarden Stück im Jahr hergestellt – Tesla musste sie nur noch zur Zusammenarbeit bringen. Das Akkupack des Roadsters wiegt rund 450 Kilogramm und war mit einer Leistung von 53 kWh laut Tesla für eine Reichweite von 340 Kilometer gut. Ein Update vergrößerte die Reichweite später auf bis zu 643 Kilometer. Seiner Optik als reinrassiger Sportwagen wurde der Tesla Roadster zumindest beim Beschleunigen durchaus gerecht: Von Null auf 100 km/h katapultierte ihn der 215 kW starke Motor im Heck in unter vier Sekunden – so schnell als ein Porsche 911 Carrera. Abgeregelt wird bei 201 km/h.
Die sportliche Optik kommt nicht von ungefähr: Entwickelt wurde der Tesla Roadster in enger Zusammenarbeit mit Lotus. Die Elise grüßt aus jeder Rundung. Gebaut wurden bis zum Auslaufen der Produktion 2012 insgesamt 2450 Stück. Die meisten wurden in den USA und dort vor allem in Kalifornien verkauft. Vor allem die jungen und hippen Reichen waren damit unterwegs und demonstrierten so ihr ökologisches Bewusstsein.
Waren die Roadster eher noch Fingerübungen eines frischen Startups, mauserte sich Tesla spätestens mit dem Model S 2012 zum ernst zu nehmenden Automobilhersteller. Das Model S war eine eigene Entwicklung und wurde auch nicht mehr bei Lotus in Auftragsfertigung gebaut, sondern im kalifornischen Fremont. Auch im Model S stecken als Energiespeicher zwar chemisch optimierte, ansonsten aber handelsübliche Laptop-Akkus, diesmal 7.104 Einzelzellen. Die Reichweite beträgt inzwischen je nach Fahrweise zwischen 663 und über 840 Kilometer.
Die Form der Karosserie stammt maßgeblich von dem ehemaligen Mazda-Designer Franz von Holzhausen. Das Model S wird als 5+2-Sitzer angeboten. Bei einem Facelift 2016 verschwand der ursprünglich angedeutete Kühlergrill. Die optische Nähe zum Model 3 ist seither unübersehbar. Beim „Dual Motor Model S“ werden über einen zweiten Motor die Räder der Vorderachse unabhängig von dem bestehenden Motor der Hinterachse angetrieben. Damit erreicht die Dual-Motor-Variante eine deutlich höhere Leistung (515 kW statt 310 kW), sondern auch eine etwas höhere Reichweite. In der Top-Version beschleunigt das Model S von Null auf 100 km/h in 3,0 Sekunden und schafft als Höchstgeschwindigkeit 250 km/h. Anfang 2021 wurden Modellvarianten mit drei Motoren angekündigt: mit mehr als 1.000 PS, einer Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h und einer Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in weniger als 2,1 Sekunden. Die Reichweite soll bis zu mehr als 827 Kilometer betragen.
Ist das Model S schon allein wegen des üppigen Preises klar in der automobilen Oberklasse positioniert, so sollte ab Sommer 2017 das Model 3 der Einstieg in die Mittelklasse sein. Es ist 28 cm kürzer als das Model S, wirkt gedungener, sieht aber ebenfalls sportlich aus. Die Limousine hat vier Türen, fünf Sitzplätze und zwei Kofferräume. Die Variante Standard Plus hat einen Hinterradantrieb, die anderen beiden Versionen sind mit einem Allradantrieb mit Dualmotor ausgestattet. Die robuste Konstruktion aus Stahl und Aluminium soll laut Tesla eine Fahrleistung von 1,6 Millionen Kilometer überstehen. Je nach Konfiguration besteht der Akkupack aus 2976 (50 kWh) bis 4416 (74 kWh) Zellen. Die Reichweiten liegen zwischen 448 und 567 Kilometern. Um mit der Produktion der Nachfrage hinterherzukommen, wurden viele Schritte vereinfacht. So gab es das Model 3 anfangs nur in Schwarz und einer anderen von vier Farben sowie zwei verschiedene Bereifungen.
Bis das Tesla Model X im Herbst 2015 erstmals ausgeliefert wurde, hatten die Ingenieure bei Tesla erst einmal einige Nüsse zu knacken. Vor allem die hinteren beiden aufschwingenden Flügeltüren erwiesen sich als schwierig umzusetzen. Das 2,5 Tonnen schwere Model X läuft bei Tesla als SUV, erinnert von der Form her eher an ein SUV-Coupé und hat sieben Sitzplätze. Die Reichweite liegt bei bis zu 547 Kilometer. Und zumindest preislich ist Tesla mit dem Model X wieder in der Oberklasse angekommen.
Auf dem Model 3 basiert zu großen Teilen das Model Y, das seit Anfang 2020 im US-Werk Fremont gebaut wird. Es erinnert in der Form an ein SUV-Coupé, ist etwas größer als das Model 3 und bietet bis zu sieben Sitzplätze.
Noch allenfalls eine Randnotiz ist Teslas Ende 2019 präsentierter Cybertruck. Das aus Edelstahl gefertigte futuristische Gerät, das frisch aus einem Science Fiction-Film gefallen scheint, dürfte so schon an den Zulassungsbestimmungen vieler Länder scheitern.
Autor:Jürgen Wolff, Stand: 2021-06-04 21:51:00
Fotos: Tesla









