Reportage: Seat Ibiza

Vom Retter zum Bestseller: Der Seat Ibiza wird 40. Inzwischen rollt die fünfte Generation des sportlichen Kleinwagens über die Straßen nicht nur in Spanien.
Foto: Seat
Seat Ibiza (Foto: Seat)

Unabhängigkeitserklärung

Vom Retter zum Bestseller: Der Seat Ibiza wird 40. Inzwischen rollt die fünfte Generation des sportlichen Kleinwagens über die Straßen nicht nur in Spanien.

Für Seat war der Ibiza ein neuer Anfang. Seit der Firmengründung 1950 unter tatkräftiger Hilfe des italienischen Fiat-Konzerns fertigten die Spanier bis in die 1980er Jahre hinein ausschließlich dröge Fiat-Fabrikate in Lizenz. Doch in den dreißig Jahren hatte sich das Verhältnis stark abgekühlt – Fiat geriet in finanzielle Schwierigkeiten und überwarf sich mit den Spaniern. Die Scheidung stand an, 1981 verkauften die Italiener ihre Anteile an Seat.

Dass Seat diese Turbulenzen nicht nur überlebte, sondern auch ohne attraktiver Modelle ganz gut meisterte, lag an seiner Kooperationsfähigkeit – und an der überraschenden Unterstützung verschiedener namhafter Autohersteller und diverser Größen aus der Autowelt. Der italienische Designer Giorgio Giugiaro und seine Firma Italdesign etwa, die gerade erst für Fiat den Konkurrenten Uno entwickelt hatte, zeichnete mit dem „Ibiza“ den ersten eigenständigen Kleinwagen von Seat. Karmann in Osnabrück half tatkräftig bei der Entwicklung von Fahrgastzelle und Fertigungswerkzeugen.

Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)
Seat Ibiza (Foto: Seat)

Porsche steuerte Motortechnik bei – gegen eine Lizenzgebühr von gerade mal sieben Mark pro Motor. Bei Automessen, so wird kolportiert, war auf dem Seat-Stand immer ein Ibiza mit weit offener Motorhaube zu sehen, damit alle den Schriftzug „System Porsche“ auf dem Ventildeckel lesen konnten.

1984 hatte der Seat Ibiza nach gerade mal drei Jahren Entwicklungszeit seine Premiere auf dem Pariser Autosalon. Mit Erfolg: Zwei Jahre später übernahm Volkswagen zunächst 51 und schließlich 75 Prozent Prozent des spanischen Unternehmens. Das ging so weiter bis zur vollständigen Übernahme durch die Wolfsburger. 1988 schrieb Seat nicht zuletzt wegen des Ibiza schwarze Zahlen – genug, um im Werk Martorell bei Barcelona in neue Fertigungshallen zu investieren. Mittlerweile werde dort auch andere Modelle aus dem VW-Konzern produziert, etwa von Audi.

Die Karriere des temperamentvollen Kleinwagens von der iberischen Halbinsel war nicht mehr aufzuhalten. Auch in Deutschland. Dabei war er beileibe kein Billigheimer: Er war teurer als vergleichbare Modelle wie der Fiat Uno oder der Peugeot 205. Die Motorleistungen waren durchaus üppig, die Fahrleistungen durchweg ebenso. Dazu kamen ein günstiger Verbrauch, gute Ausstattung und Straßenlage sowie ein ordentlicher Laderaum. Selbst in China war das erste Ibiza-Modell als Nanjing Yuejin Soyat noch bis 2008 unterwegs.

Die zweite Ibiza-Generation, die 1993 auf den Markt kam und komplett im VW-Konzern wie der Polo auf der A03-Plattform entwickelt wurde, stellte im heimischen Spanien wieder das meistverkaufte Auto. Versionen mit Diesel-Antrieb wurden von dem gerade mal 1010 Kilogramm wiegenden Ibiza 2 gebaut und um die Jahrtausendwende folgten auch sportliche Cupra-Versionen (Cup Racing) wie der Ibiza Cupra R mit 132 kW / 180 PS.

Seit 2017 nun ist die fünfte Generation des Ibiza auf dem Markt. Sie basiert auf der MQB-A0-Plattform des VW-Konzerns. Insgesamt wurden in den 40 Jahren mehr als sechs Millionen Stück verkauft – damit ist der kompakte Flitzer zur tragenden Säule des Unternehmens geworden. Grund genug für die Spanier, sich zum runden Geburtstag ein Sondermodell zu gönnen: den Seat Ibiza FR „Anniversary Edition“.

Autor:

Juergen Wolff, Barcelona, Stand: 2024-02-07 15:10:00
Fotos: Seat