
Citroen
Citroen hat Autos gebaut, die über die Marke hinweg zu Ikonen geworden sind – darunter die Ente oder die „göttliche“ DS. Und längst sucht Citroen seinen Weg in die Elektromobilität.
Seit 1919 baut Citroen Automobile. Und wenn man es nicht ganz so eng sieht, stammt der erste rein elektrisch betriebene Citroen aus dem Jahr 1923: Ein Kinderauto namens Citroenette. Auch vor dem Zweiten Weltkrieg entwarf Citroen schon Autos, die sich einen gewissen Ruhm erwarben. Der erste frontgetriebene Wagen etwa, der auf einer selbsttragenden Ganzstahlkarosse aufbaute: der Traction Avant. Ab 1934 gebaut, avancierte die „Gangsterlimousine“ wegen ihrer guten Straßenlage schnell zum beliebten Fluchtfahrzeug der französischen Unterwelt.
Nach dem Krieg entstanden bei Citroen die wahren Ikonen. 1948 zum Beispiel der 2CV, die „Ente“. Die Entwicklung hatte bereits Mitte der 1930er Jahre begonnen. Aber kriegsbedingt stellte Citroen den neuen 2CV erst drei Jahre nach Kriegsende vor. Legendär ist der „Anforderungskatalog“ des damaligen Citroen-Chefs Pierre-Jules Boulanger. Er verlangte 1934 von seinen Konstrukteuren ein Auto, das „Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet“. Und eine Federung, die einen Korb roher Eier unbeschadet über einen holprigen Acker bringen sollte. 5.114.969 Stück des 2CV sind seit 1949 laut offizieller Zählung gebaut worden. In Frankreich selbst war 1988 Schluss mit der Produktion, im portugiesischen Mangualde dann Mitte 1990.
Die zweite große automobile Legende brachte Citroen 1955 auf den Markt: Die DS, die Göttin. Die Limousine vereinte avantgardistisches Design mit einer Fülle von technischen Innovationen und war zur damaligen Zeit schlicht eine Sensation. In den D-Modellen wurde zum ersten Mal bei einem Serienfahrzeug ein zentrales hydraulisches System für Federung (Hydropneumatik), Bremsen, Schaltung und Lenkunterstützung (Servolenkung) eingesetzt. Die Karosserieform sorgte für eine außergewöhnliche Aerodynamik – aber auch für den Spitznamen „Laubfrosch“. Anfang der 1960er Jahre avancierte die DS zur Staatskarosse: Der französische Präsident Charles de Gaulle nutzte sie zu allen offiziellen Anlässen. Und er verdankte ihr sein Leben: Nach einem Attentat konnte der Wagen dank der Hydropneumatik trotz eines zerschossenen Hinterreifens auf drei Rädern weiterfahren. Bis zum 24. April 1975 liefen insgesamt 1.456.115 Fahrzeuge der D-Reihe vom Band.
Schon 2010 elektrisch
Daneben ging es nicht mehr ganz so ikonisch weiter. Im Kleinwagensektor waren es vor allem Ami, Dyane und Méhari, die nicht nur bei Citroen-Fans in Erinnerung blieben. Modelle wie der CX oder der GS sind dann schon nicht mehr so im kollektiver Gedächnis. Nach der Übernahme durch Peugeot und der Bildung von PSA im Jahre 1975 entstanden zwar solide und praktische Modellreihen – doch zu unvergesslichen Ikonen reichte es nicht mehr. Autos wie der C5 Aircross oder der mit dem Peugeot 108 und dem Toyota Aygo baugleiche C1 bestimmen das Bild.
Aber ohne Stromer geht es auch bei Citroen nicht: Schon 2010 bot man mit dem C-Zero ein erstes vollelektrisches Modell an. Der fünftürige Kleinwagen entstammt der Kooperation mit Mitsubishi: Der frühere Mitsubishi i-MiEV lieferte die technische Basis für den Citroen C-Zero und dessen Konzernbruder Peugeot iOn. Die Reichweite des bis 2020 gebauten und vor allem in Skandinavien erfolgreichen C-Zero lag bei kaum mehr als 110 Kilometern.
Würfel für die Stadt
Mit dem 2016 bis 2019 produzierten e-Méhari erinnert Citroen an den 1968 eingeführten Citroen Méhari: einfach ausgestattet und mit einem leichten Planenverdeck – ein Freizeitauto. Die technische Basis stellte der Bolloré Bluesummer, Optik und Innenraum sind an den Citroen C4 Cactus angelehnt. Die Reichweite lag bei rund 100 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit bei 110 km/h.
Bis 2025 will Citroen in jeder Modellinie ein vollelektrisches Fahrzeug anbieten, kündigten die Franzosen an. Den Einstieg in den Pkw-Bereich machte dabei 2021 der E-C4, nachdem zuvor bereits im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge der E-Berlingo und der E-Spacetourer gestartet sind. Beim E-C4 wirbt Citroen mit 350 Kilometern elektrische Reichweite, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 150 km/h.
Mit dem Anfang 2020 vorgestellten Ami will Citroen den Markt der kleinen Elektroflitzer aufmischen. Er basiert auf keiner anderen Citroen-Baureihe. Der Ministromer ist mit einer Länge von 2,41 Metern, einer Breite von 1,39 Metern und einer Höhe von 1,52 Metern kleiner als der Smart, rein für die Stadt gedacht und schafft 70 Kilometer Reichweite mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Optisch kommt der Ami wie ein Würfel mit abgerundeten Kanten daher. Platz bietet er für zwei Passagiere. Der Einstieg erfolgt über gegenläufige Türen. Einen dezidierten Kofferraum gibt es nicht: Hinter die beiden Sitze passt gerade mal ein Blatt Papier. Eine Heckklappe sucht man vergeblich. Überall hat Citroen auf einfache und kostengünstige Bauweise geachtet. Die Seitenfenster etwa lassen sich wie bei der klassischen Ente manuell nach oben klappen. Airbags? Fehlanzeige. In Frankreich kann man den Ami mittlerweile zum Preis von 6.090 Euro über die Website von Citroen bestellen, in Deutschland war er für Anfang 2021 angekündigt – aber aktuell taucht er in der Modellpalette nicht auf. Und selbst unter der Überschrift „Zukunftsmodelle“ sucht man ihn vergeblich.
Autor:Jürgen Wolff, Stand: 2021-08-05 23:30:00
Fotos: Citroen









