
Hummer
Totgesagte leben länger. Nachdem die Produktion der ikonischen Dreckschleuder eigentlich schon 2010 eingestellt wurde, wird es den Hummer künftig wieder geben – als reines Elektroauto.
Es gibt wohl kaum ein Auto, das in Zeiten der „Fridays for Future“-Bewegung ein so schlechtes Image hat wie der Hummer. Dabei wird der Riesen-SUV eigentlich seit 2010 gar nicht mehr gebaut. Durstig, eine Dreckschleuder, platzverschwendend – da halfen auch die vielen PR-Aktionen nicht viel, die das verkorkster Bild aufbessern sollten. Prominente wie Arnold Schwarzenegger zeigten sich mit dem H1, in der Fernsehserie CSI:Miami war der H2 Dienstfahrzeug der Ermittler. Half alles nichts: Nach drei Modellreihen und fast zwei Jahrzehnten zivilem Leben kapitulierte der Hersteller General Motors schließlich und musterte den Hummer aus.
Aber Hummer sind zäh. Und so war das Ende der Produktion vor zehn Jahren nicht wirklich das Ende: Der Hummer ist wieder da, wie gehabt riesig, vor Kraft strotzend – aber als reine Elektroversion. Der Umweltsünder mutiert zum Umweltengel.
1992 begann das zivile Leben des Hummer unter dem Dach von AM General. Dort wurde bereits ab 1985 das militärische HMMWV (Humvee) für die US-Armee gebaut, das den Jeep als Allzweckfahrzeug ersetzte. Der Original-Hummer, nach dem Verkauf der Markenrechte 1999 an General Motors (GM) später H1 getauft, war technisch weitgehend mit dem Militärfahrzeug identisch und wurde bis 2006 gebaut. Produziert wurde der 4,7 Meter lange, 2,2 Meter breite, rund zwei Meter hohe und 3,6 Tonnen schwere Hummer H1 in fünf Karosserievarianten: Ein komplett geschlossener Fünftürer, eine Hardtop-Version mit festmontiertem Dach, ein cabrio-ähnlicher Viertürer mit offener Ladefläche und Planenverdeck, eine Art Fließheckversion und ein Pickup. Bei dem wurde die Fahrgastkabine um die Plätze im Fond verkürzt und so die Ladefläche vergrößert. Die verfügbaren Motoren hatten 110 kW/150 PS bis 221 kW/300 PS, der offizielle Verbrauch lag zwischen 16 und 20 l/100 km. Legendär ist bei allen Hummer die Geländegängigkeit.
Nach der Markenübernahme durch GM kam zunächst der H2 auf den Markt. Optisch ähnelte er zwar dem H1, technisch allerdings war er eher mit dem Chevrolet Tahoe und dem Cadillac Escalade verwandt. Die Außenmaße stimmten zwar weitgehend mit denen des H1 überein, er war aber rund eine halbe Tonne leichter. Die Ausstattung war alles, aber nicht militärisch puristisch: Doppelairbag vorne, Klimaautomatik und Heizung, Bordcomputer, Radio mit Kassettendeck und CD-Spieler, Multifunktionslenkrad, Tempomat, Automatik, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Ledersitze und mehr. Die fünftürige Karosserie war zunächst komplett geschlossen, später folgte eine Version mit viertüriger Fahrgastkabine und Ladefläche statt Kofferraum. Der V8-Motor leistete 236 kW/321 PS und schluckte offiziell 23 Liter auf 100 Kilometer.
Mit dem H3 versuchte GM ab 2005, den Riesen halbwegs auf Normalmaß zu schrumpfen. Mit maximal 2,4 Tonnen war er geradezu ein Leichtgewicht, die Länge blieb mit 4,8 Metern zwar gleich – die Breite lag nun aber unter zwei Meter. Selbst in der V8-Version sank der Verbrauch nur auf offiziell noch 14,5 l/100 km. Optisch war der H3 deutlich abgerüstet und ähnelte mehr einem „normalen“ SUV. Geholfen hat das alles nichts: Nachdem die Verkäufe drastisch eingebrochen waren, machte GM 2010 Schluss mit Hummer.
Aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Die General Motors-Tochter GMC bringt nun den Hummer wieder zurück – nicht mehr als eigenständige Marke, aber immerhin als Modellreihe. Und größer und stärker als zuvor, vor allem aber sauber, da mit reinem Elektroantrieb. Bescheidener wird der Auftritt nicht: Der GMC Hummer EV kommt zunächst als Pickup und dann als SUV mit einer satten Länge von 5,51 Meter und einer Breite von 2,20 Meter. Der Hummer EV basiert auf GMs neuer Elektro-Plattform Ultium Drive. Aber das eckige und robuste Design ist unübersehbar die Fortsetzung der Hummer H1 bis H3. Die Front wird dominiert durch eine von vertikalen Linien unterbrochene Lichtleiste, die das LED-Tagfahrlicht über die ganze Fahrzeugbreite zieht.
Bis zu drei E-Motoren sorgen für Vortrieb: Zwei wirken auf die hinteren Räder, einer auf die vordere Achse. Der Elektro-Hummer kann denn auch vor Kraft kaum rollen: In der stärksten Version kommt er summiert auf rund 1.000 PS und fast 15.600 Newtonmeter Drehmoment. Das soll den 4,1 Tonnen schweren Koloss binnen drei Sekunden auf Tempo 100 katapultieren – das wäre die Ferrari-Liga. Die Akkus haben eine Kapazität von bis zu 200 Kilowattstunden, die maximale Reichweite schätzt GMC auf 563 Kilometer.
Der GMC Hummer EV scheint ein Erfolg zu werden – von der Erstauflage sollen bereits alle Exemplare verkauft sein. Sauber, sauber.
Autor:Jürgen Wolff, Stand: 2021-06-11 10:05:00
Fotos: Hummer









