Reportage: Mini Modellgeschichte

Es gibt ein Leben vor BMW und eines nach BMW: Mini gehörte zu den absoluten Ikonen der britischen Autoindustrie. Und ist es immer noch.
Foto: Mini
Mini 1959 (Foto: Mini)

Mini

Es gibt ein Leben vor BMW und eines nach BMW: Mini gehörte zu den absoluten Ikonen der britischen Autoindustrie. Und ist es immer noch.

So viel „very british“ gibt’s sonst nur in der Luxusklasse bei Rolls Royce, Bentley, Aston Martin & Co.: Der Mini ist eine Ikone des britischen Automobilbaus. Und ein Symbol der „Swinging Sixties“. Kein Wunder, schmückte ihn der Union Jack, die britische Flagge, auf Dach, Außenspiegel, auf den Radkappen oder zuletzt selbst in den Rückleuchten. Mehr „GB“ symbolisiert allenfalls noch die Queen.

Die immerhin saß schon seit sieben Jahren auf dem Thron, als 1959 in einer Doppelpremiere zwei Kleinwagen vorgestellt wurden: der Morris Mini-Minor und der Austin Seven. Als eigene Marke firmiert Mini erst ab 1969. Die Vorgaben der Britisch Motor Corporation (BMC)an den Konstrukteur Alec Issigonis: Maximaler Innenraum bei minimalen Außenmaßen (gerade mal etwas mehr als drei Meter), Platz für vier Personen und etwas Gepäck, geringer Verbrauch, sehr gute Fahreigenschaften und günstiger Preis. Türscharniere außen, Schiebefenster: Die Karosserien unterschieden sich nur in der Frontpartie, darunter waren sie praktisch identisch. Der Laderaum hatte 195 Liter Stauvolumen. Der vorn quer eingebaute Vierzylinder-Motor mit einem Hubraum von 848 Kubikzentimetern brachte es auf eine Leistung von 34 PS. Und das Fahrgefühl: wie in einem Gokart.

Mini Morris Mini Super 1962 (Foto: Mini)
Mini Morris Mini Traveller (Foto: Mini)
Mini Rallye 1965 (Foto: Mini)
Mini Roadster (Foto: Mini)
Mini Roadster (Foto: Mini)
Mini Moke 1965 (Foto: Mini)
Mini Alec Issigonis (Foto: Mini)
Mini Cabrio (Foto: Mini)
Mini Cabrio (Foto: Mini)

Von Anfang an zeigte sich, wie flexibel das Mini-Konzept war. Schon im ersten Produktionsjahr entstanden die Versionen Austin Countryman und Morris Traveller. Wenig später folgte ein Mini Pick-up. Und 1961 schließlich der Mini Cooper. Der Sportwagenkonstrukteur John Cooper hatte eine Kleinserie von 1.000 Mini Cooper entwickelt, deren modifizierter Motor eine Leistung von 55, etwas später von 70 PS schaffte. Der Klassensieg des Finnen Rauno Aaltonen im Mini Cooper bei der Rallye Monte Carlo 1963 und drei Gesamtsiege bei der Rallye Monte Carlo in den Jahren 1964, 1965 und 1967 machten den Flitzer endgültig zur Legende. 1964 stellte BMC auf der Basis des klassischen Mini den Mini Moke vor: Kantig, mit einem Hauch von Jeep, rundum offen, viersitzig. Der Mini Moke wurde überall da zum Erfolg, wo es Sonne, Strand und Meer gab.

1970, nach zehn Jahren Bauzeit, bekam der Mini die erste größere Überarbeitung. Die Türscharniere wurden nach innen verlegt, statt der Schiebefenster gab es nun Fenster zum Kurbeln. Anfang der 1980er Jahre wurde das Programm gestrafft: Clubman, Estate und Van liefen aus. Verkauft wurde nur noch der classic Mini mit 1,0-Liter-Motor und inzwischen 40 PS. Den Mini Cooper hatte man vorher schon aus dem Programm genommen. Ein Jahr später folgte ein Cabrio. Eigentlich hatte BMC damit nichts am Hut. Aber ein Händler in Deutschland hatte einfach das Dach abgeschnitten und war so erfolgreich mit dem Sonnenanbeter, dass sich die Briten die Fabrikation sicherten und bis 1996 rund 1000 Cabrios verkauften. Pünktlich zur Jahrtausendwende und nach 5,3 Millionen verkauften Exemplaren war vorläufig Schluß, die Produktion des Mini lief aus. BMW hatte zu Beginn des Jahres 1994 den Mini-Hersteller gekauft und die Markenrechte auch noch behalten, nachdem die Bayern sich von ihren anderen britischen Marken schnell wieder getrennt hatten. Und BMW war wild entschlossen, den Mini wieder auferstehen zu lassen.

Mitte 2001 war es soweit: Der neue Mini kam auf den Markt, zunächst als One und Cooper und gebaut im britischen Oxford. Nur: Der Mini sah zwar so aus wie die modernisierte Version des klassischen Mini – „mini“ war der Mini aber nicht mehr. Aus den einmal gut drei Metern Länge wurden selbst beim Zweitürer 3,64 und schließlich 3,8 Meter. Immerhin: Frontantrieb, vorn quer eingebauten Vierzylinder-Motoren, kurze Karosserieüberhänge und Platz für vier Personen wurde übernommen. Und auch das Design knüpfte mit markentypischen Proportionen und unverwechselbaren Gestaltungselementen für Front, Heck und Seitenansicht an die klassischen Vorfahren an. Bei der zweiten Generation, die 2006 erschien, hatte sich an der Formgebung kaum etwas geändert – gerade mal die Scheinwerfer waren neu gestaltet worden. Die dritte Generation brachte ab 2014 ein neues Tagfahrlicht, das zusammen mit den LED-Scheinwerfern einen 4/5-Ring um das Abblendlicht formt. Innen nimmt ein neues, rundes Infotainment-Display den Platz des früheren Tachos ein. Seit einem Facelift 2021 sind die Rücklichter im Union-Jack-Design Serie. Und auch Heckschürze und Grill wurden angepasst.

Im Laufe von mittlerweile drei Generationen probierte Mini diverse Karosserieformen aus, von denen einige schnell floppten. Das Coupé von 2011 wirkte, als habe man ihm eine Basecap verkehrt herum aufgesetzt, der Roadster war nichts anderes als ein Coupé ohne Dach und kam genauso wenig an. Umgekehrt war der Paceman technisch ein 4,11 Meter langer Mini Countryman mit coupéhaft abfallendem Dach und sportlicherer Silhouette. Ende 2016 nahm Mini den Paceman nach vier Jahren vom Markt. In Erinnerung an den Morris Mini Van versuchte sich Mini 2012 am Clubvan. Eigentlich ein Clubman, machen ihn in Wagenfarbe verkleidete Seitenfenster ab der B-Säule und eine fest mit der Karosserie verschraubte Gepäckraumabtrennung zum Lieferwagen. Mehr als zwei Jahre Produktion überlebte er nicht.

Deutlich erfolgreicher waren dagegen andere Modellreihen. Seit 2004 ist wieder ein Mini Cabrio im Programm. Der viertürige Clubman ist 24 Zentimeter länger als das Basismodell und quasi die Kombi-Version des Mini Coopers. Er erschien 2007 in der ersten Generation. 2015 folgte Generation zwei, die im Vergleich zum Vorgänger deutlich größer ist. Charakteristisch für den Clubman sind die gegenläufig öffnende „Clubdoor“ auf der Beifahrerseite und die zweiflügelige Hecktür. Für Offroad-Feeling sorgt der Countryman, der in seiner zweiten Generation bei den Abmessungen noch einmal deutlich zulegte. Nach einem Facelift 2020 ist er mit veränderten Schürzen, neuem Grill, LED-Scheinwerfern und LED-Rücklichtern im Union Jack-Design unterwegs. Alle Minis sind auch als besonders sportliche John Cooper Works-Versionen (JCW) zu haben.

Schon 2009 probierte Mini in Berlin, München, London und in den USA eine rein elektrische Version aus. Ihr Elektromotor leistete 150 kW (204 PS). Der Mini E beschleunigte von 0 auf 100 km/h in 8,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 160 km/h begrenzt. Seit 2020 wird der Mini Cooper SE angeboten. Er hat über 184 PS, einen 32,6 kWh großen Akku und schafft eine Reichweite von bis zu 270 Kilometer. Dabei soll es nicht bleiben: Mini wird nach eigenem Bekunden 2025 zum letzten Mal ein neues Modell mit Verbrenner auf den Markt bringen – danach folgen nur noch rein elektrische Modelle. 2027 soll der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge am Mini-Absatz bei mindestens 50 Prozent liegen. „Anfang der 2030er Jahre“ werde Mini dann über ein ausschließlich vollelektrisches Angebot verfügen, erklärte die Mini-Mutter BMW. Auf Basis der neuen, für reine E-Mobilität entwickelten Fahrzeugarchitektur werden von 2023 an in China zudem in einer Kooperation mit Great Wall Motors batterieelektrische Mini-Fahrzeuge produziert.

Autor:

Jürgen Wolff, Stand: 2021-06-10 03:38:00
Fotos: Mini