
Smart Modellgeschichte
Der Smart sollte einst die Mobilität revolutionieren. Doch nach über 20 Jahren Bauzeit ist eher Ernüchterung eingezogen. Jetzt soll die Marke eine neue Zukunft bekommen.
Die Idee scheint genial: Ein kompaktes kleines Auto, das überall einen Parkplatz findet, aus einfach austauschbaren Modulen aufgebaut und für jeden erschwinglich ist. Dazu noch eingebunden in ein Mobilitätskonzept mit der Deutschen Bahn als Partner. An solchen Ideen arbeiteten schon Ende der 1980er Jahre Automobilfirmen ebenso wie Universitäten und Visionäre. So einer war der Chef des Uhrenherstellers Swatch, Nicolas G. Hayek. Seinen Traum von einem „Swatch-Mobil“ verfolgte er mit energischer Konsequenz zunächst zusammen mit dem VW-Konzern. Doch schon da stellte sich raus: Genial und wirtschaftlich muss nicht unbedingt zusammen gehen. VW stieg 1994 aus dem Projekt aus.
Doch der rührige Hayek fand schnell Ersatz: Daimler-Benz. Dort hatte man 1981/82 die erste Studie für ein Stadtauto zusammenbaut: 2,5 Meter lang und entstanden unter dem Eindruck von Ölkrise und zugeparkten Innenstädten. Weil der Kasten aber nicht gerade den Sicherheitsansprüchen genügte, war der Entwurf ad acta gelegt worden. Erst zehn Jahre später griffen die Schwaben die Grundidee wieder auf und bauten zwei Studien: Den Eco Sprinter und den Eco Speedster. Beide sehen schon ziemlich heftig wie ein Smart aus. Da kam ihnen Hayeks Idee gerade recht. Die Micro Compact Car AG (MCC) entstand, mit Sitz im schweizerischen Biel, Produktionsstätte im französischen Hambach und Entwicklungszentrum in Deutschland. Eine Kooperation, die ebenfalls gründlich schief ging. Seit 1998 jedenfalls gehört MCC zu 100 Prozent Daimler-Benz.
Im gleichen Jahr und eine ganze Reihe Studien später kam der erste Smart tatsächlich: Im Oktober 1998 war die Markteinführung – mit Bodypanels und Tridion-Sicherheitszelle aus hochfestem Stahl. Die weiteren Karosserieteile waren aus thermoplastischem Kunststoff. Verkauft wurde er aus mehrstöckigen „Speichertürmen“: gläserne turmartige Parkhäuser für Smart-Automobile „zum Sofort-Kaufen und Mitnehmen“.
Der zweisitzige Fortwo wurde heckgetrieben und besaß einen kleinen Kofferraum. Der Motor mit bis zu 80 PS Leistung ist hinter den Sitzen unter dem Kofferraum vor der Hinterachse eingebaut. Die beiden Sitze waren leicht versetzt angeordnet, um das Raumgefühl zu verbessern. Armaturenbrett und Innendesign waren rundlich und eher verspielt. Bei Abmessungen von 2,5 m Länge, 1,51 m Breite und 1,52 m Höhe warb Smart damit, dass man mit dem Kleinen in jeder Parklücke auch quer parken könne. Diverse Städte sahen das anders und verteilten fleißig Tickets wegen Falschparken. Lediglich in Stuttgart, Hauptsitz von Daimler, gibt es eine explizite Erlaubnis zum Querparken mit dem Smart. In Zusammenarbeit mit dem Veredler Brabus entstand eine dezent aufgemotzte Version des Fortwo mit bis zu 99 PS. Das Smart Fortwo Cabrio mit elektrisch zu öffnendem Stoffdach wurde im März 2000 eingeführt. Die seitlichen Dachholme lassen sich herausnehmen und in dafür vorgesehenen Halterungen in der Heckklappe verstauen. Daneben gab es zahlreiche Umbauten. Der Smart Crossblade etwa war ein Roadster, der in Kleinserie von Binz aus dem smart fortwo Cabrio & pure umgebaut wurde. Er hatte weder Dach noch eine Frontscheibe und nur schmale Sicherheitsbügel an den Seiten statt herkömmlicher Türen – ein reines Spaßauto.
2007 schließlich erschien die 2. Generation mit nahezu komplett überarbeiteter Technik. Das Design innen und außen war stärker den US-amerikanischen Sicherheitsbestimmungen angepasst. Alles wirkt nun weniger verspielt. Die Karosserie war um 10 mm höher gelegt und 19,5 Zentimeter länger. Durch den längeren Radstand stieg der Komfort – allerdings war ein Querparken nicht mehr möglich. Als einer der ersten Hersteller baute Smart den Fortwo schon ab 2012 und bis 2015 in der Version ED3 serienmäßig auch mit reinem Elektroantrieb. Als Reichweite waren über 140 Kilometer erreichbar.
Die 3. Generation des Fortwo ab 2014 wuchs leicht in Breite und Höhe und bekam aus Gründen des Fußgängerschutzes einen kleinen Vorbau an der Front. Die rautenförmigen Scheinwerfer hatten nun serienmäßig LED-Tagfahrlicht. Auch in der 3. Generation wurden Brabus-Versionen angeboten, die bis zu 125 PS stark und 52.800 Euro teuer waren. Im März 2017 fand der Marktstart der Elektroversion der dritten Generation des Smart Fortwo statt. Zu erkennen ist er an weißen Schriftzügen vorne und hinten sowie am ED-Stecker-Logo. Die Reichweite liegt bei bis zu 160 Kilometer. Mittlerweile ist der Fortwo nur noch als Elektroauto erhältlich, Verbrenner sind nicht mehr im Angebot.
Wenig Glück hatte Smart beim Versuch, seine Modellpalette auszuweiten. 2003 erfolgte die Markteinführung des Roadster in zwei Bauformen: als offener Smart Roadster und als geschlossener Smart Roadster-Coupé. Der Roadster kam mit einem Stufenheck, das Coupé dagegen mit eine vollverglasten Heckaufbau, der immerhin für mehr Stauraum sorgte. Ein Erfolg wurden beide Versionen nicht. Nach 43.000 gebauten Einheiten wurde die Produktion 2005 eingestellt. Auch der in Zusammenarbeit mit Mitsubishi entwickelte und 3,75 Meter lange Viersitzer Smart Forfour wurde ein Flop. Gebaut wurde er von 2004 bis 2006. Beim Forfour ist der Motor vorne eingebaut und wirkt auf die Vorderräder. Seit 2014 gibt es die zweite Generation des Forfour, der vom Design her mehr an seinen kleinen Bruder Fourtwo erinnert. Wie bei diesem ist der Antriebsmotor hinten eingebaut. Auch ihn gibt es als Brabus-Version und mit Elektroantrieb.
Wirtschaftlich war der Smart nie ein Erfolg. Weil es zum Beispiel keine vernünftige Gleichteile- oder gar Plattformstrategie gab, gilt er als größter Flop der Schwaben: Die Schätzungen zum Verlust gehen in die Milliarden. Seine Zukunft soll im Joint-Venture mit Daimler-Großaktionär Geely nun ganz anders werden: Er hat mit dem Vorgänger nur noch den Namen gemein und aus dem Kleinwagen für zwei soll ein ausgewachsenes vollelektrisches SUV für fünf Personen werden, ein Konkurrent für Mini Countryman und Mercedes EQA. „Der Smart wird erwachsen,“ sagt Designchef Gordon Wagener: „Winzig und niedlich waren gestern“.
Autor:Jürgen Wolff, Stand: 2021-06-04 22:21:00
Fotos: Smart









