
Für Focus: Sportwagen
Erfolgszahlen sehen anders aus: Gerade mal 3440 Scirocco verkaufte Volkswagen im vergangenen Jahr – nur der Phaeton und der Eos laufen bei den Wolfsburgern noch schlechter. Doch geht es um das Zuverlässigkeits-Ranking bei den Sportwagen, so schlägt der verschmähte Volkswagen selbst den Porsche 911: Platz 2 bei der mittleren Laufleistung. Ansonsten sieht das Bild bei den flotten Zweisitzern eher genauso aus, wie man es wohl erwartet: Der BMW Z4 führt das Feld bei den Laufleistungen bis 50.000 Kilometer an, gefolgt vom Porsche 911 und Audi TT. Im mittleren Kilometerbereich führt dann der Audi TT vor eben Scirocco und Porsche 911. Und wenn es um die Langstrecken jenseits der 100.000 Kilometer geht, dann liegen der SLK und der SL von Mercedes-Benz ganz vorne, gefolgt – na klar – von einem Porsche, diesmal dem technisch ja weitgehend gleichen Duo Boxster/Cayman. Importmarken haben bei den Sportlern komplett das Nachsehen. Als einziger schafft es Mazda mit dem MX-5 und dem RX-8 überhaupt in den Report.
BMWs Zweisitzer Z4 führt das Feld der Sportwagen bei den Modellen unter 50.000 Kilometer Laufleistung an. Während die erste Generation aus dem Jahr 2002 so langsam in die Jahre gekommen ist und einiges an verschleißbedingten Altersgebrechen mit sich herum schleppt, schlägt sich die 2009 gestartete aktuelle Generation beachtlich. „Zur Freude am Fahren gesellt sich noch die Freude über fast keine Auffälligkeiten bei der Hauptuntersuchung“, stellen die Dekra-Ingenieure lobend fest.
Der Porsche 911 der Modellreihe 997, der seit 2004 unterwegs ist, schlägt sich bestens in den beiden Laufleistungsbereichen bis 100.000 Kilometer – darüber schafft er es nicht mehr unter die ersten Drei. Ein „hohes Maß an Zuverlässigkeit“ attestieren die Prüfer dem Zuffenhausener. Dass es überdurchschnittlich häufig verschlissene Bremsscheiben und ausgeschlagene Spurstangenköpfe sind, die ihnen bei der Hauptuntersuchung am 911er auffallen, mag auch der sportlichen Fahrweise so mancher Porschebesitzer zuzuschreiben sein. Sporadisch findet sich Ölverlust an Motor und Getriebe.
Auch gleich zweimal vertreten in den Sportwagen-Top 3 des Dekra Gebrauchtwagenreports 2014 ist die aktuelle Generation des Audi TT. Der Renner mit den vier Ringen im Kühler „ist weit überdurchschnittlich zuverlässig“ bestätigen ihm die Prüfer. Auch bei Fahrwerk und Bremsen leiste er sich – anders als der Trend in dieser Klasse – keine gravierenden Schwächen. Ab und an verschlissene Bremsscheiben und -beläge oder verstellte Scheinwerfer – das war’s dann auch schon. Kleine Auffälligkeit am Rande: Überdurchschnittlich oft sind beim TT die Spritzdrüsen der Scheibenwaschanlage verstellt oder defekt.
Der VW Scirocco des Jahrgangs 2008 schafft es bis auf Platz 2 der Sportwagen mit einer Fahrleistung zwischen 50.000 und 100.000 Kilometer – und hängt da selbst den Porsche 911 ab. Vor allem das Bremssystem des Wolfsburger Sportlers, der das Erbe des legendären Vorgängers aus den 70er und 80er Jahren antreten sollte, fiel den Prüfern der Dekra immer wieder auf. Bremsscheiben und -beläge waren öfter mal verschlissen, Bremssättel zu schwergängig. Unüblich in dem Segment: Auch gesprungene Gläser an den Nebelscheinwerfern notiert die Dekra als „typischen Mangel“ beim Scirocco.
Bei den Langstreckenläufern mit mehr als 100.000 Kilometern Laufleistung führt der Mercedes-Benz SLK ab Baujahr 2004 das Feld an und liegt deutlich über dem Durchschnitt. Durch die sportliche Fahrweise seiner Besitzer kann es immer wieder mal zu Federbrüchen kommen, zu ausgeschlagenen Querlenkern und defekten Spurstangengelenkköpfen. Ebenso zu finden: verölte Motoren und Getriebe. Ein sonst eher unübliches Problem nervt SLK-Fahrer überdurchschnittlich häufig: Die manuelle Leuchtweiteneinstellung geht defekt.
An seinen kleinen Bruder SLK kommt der große Mercedes SL zwar beim Dekra-Ranking nicht vorbei – aber zu Platz 2 reicht es bei den „Longrunnern“ allemal. Und es geht immerhin um ein Modell ab Baujahr 2001. Schwachpunkt des Luxus-Sportlers mit dem Stern sind Fahrwerk und Lenkung. So haben Tragegelenke und Führungsgelenk öfters zu viel Spiel und sind ausgeschlagen, die Manschetten der Gelenke weisen Risse auf. Keine Seltenheit auch: undichte und defekte Stoßdämpfer. Dazu kommen immer wieder Motoren und Getriebe mit Ölverlust.
Bis ins Baujahr 1996 reichen Porsche Boxster/Cayman zurück, die es auf Platz 3 bei den Sportwagen mit mehr als 100.000 Kilometern Laufleistung gebracht haben – der Roadster und seine Coupé-Version aus der ersten Generation der Modellreihe sind damit die Senioren aller Klassen im Gebrauchtwagenreport. Typische Mängel sind ein zum Teil starker Ölverlust an Motoren und Getriebe. Immer wieder monierten die Prüfer darüber hinaus ein erhöhtes Spiel an den Fahrwerkslagern. Und wie es sich fast schon für einen gebührend gescheuchten Porsche gehört, fanden sie immer wieder verschlissene Bremsscheiben.
Autor:Jürgen Wolff, Stand: 2014-03-25 14:03:00
Fotos: press-inform







