Ferrari 296 Speciale Hybrid

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VonJoaquim Oliveira

10. November 2025

Ein echtes Erlebnis

Ferrari verspricht mit seinem 296 Speciale den fahraktivsten Sportwagen aus eigenem Hause und einen spürbaren Nachschlag zum 296 GTB. Kein Wunder, dass uns das Wasser im Munde zusammenläuft, bevor wie die Tür überhaupt geöffnet haben.

Die Messlatte, die sich der Ferrari 296 GTB gelegt hat, ist hoch. Doch der Sportwagenbauer aus Maranello wäre nicht eben er, wenn er nicht nachlagen würde. Nicht nachfassen würde mit einer Sportskanone wie dem Ferrari 296 Speciale, der sich in eine Reihe von imposanten Vorgängern wie 360 Challenge Stradale, 430 Scuderia, 458 Speciale oder einem 488 Pista reiht. Da die geplante Produktionszeit von zwei Jahren für diese nachgeschärfte Rennversion bereits vor der Vorstellung von sorgfältig ausgewählten Stammkunden vergriffen war, muss der Speciale um keine Fans werben. 

Optisch ist der 296 Speciale auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Da sind die größere Frontlippe und der zentrale Kanal, der Luft auf geradezu magische Weise von der Front durch den Kofferraumdeckel bis zur Windschutzscheibe und dem Dach leitet. Eines der wichtigsten Elemente bleibt der aktive Heckflügel, da er für die Erhöhung des Anpressdrucks verantwortlich ist. Er bietet eine neue Zwischenposition, um einen Kompromiss zwischen Grip, Bremsleistung und Tempo zu erschaffen. Die spektakulären 435 Kilogramm Abtrieb bei 250 km/h übertreffen die Werte von 296 GTB und 296 Assetto, liegen aber deutlich unter der enormen Kraft, mit der der radikalste Porsche 911 GT3 auf die Straße gepresst wird (409 kg bei 200 km/h und 806 kg bei 285 km/h).

Wie üblich kämpft ein Straßenrenner mit jedem Gramm und so konnten beim sportlichen 296er 60 Kilogramm eingespart werden, was das Trockengewicht auf 1.410 Kilogramm reduziert. So bietet der Norditaliener keine Teppiche und eine reduzuerte Schalldämmung im Cockpit, während im Innern mehr Karbon und leichtere Schalensitze verbaut wurden. Sogar der hybride Sechszylinder hat durch die Kraftkur neun Kilogramm abgespeckt, da er Komponenten aus dem F80 in sich trägt. Das Antriebssystem kombiniert einen aufgeladenen Sechszylinder-Benziner mit 515 kW / 700 PS durch 13 Prozent mehr Ladedruck mit einem 113 kW starken E-Modul, das dem 296 Speciale Flügel verleiht. Der Elektromotor ist zwischen dem Achtgang-Automatikgetriebe und dem V6-Motor montiert, während die dazwischenliegende Kupplung den rein elektrischen Betrieb bis 135 km/h und eine Reichweite von 25 Kilometern ermöglicht. Die Leistungssteigerung um 132 kW / 180 PS ermöglicht der zuschaltbare Extra-Boost. Gespeist wird der Elektromotor von einer nur 7,4 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie, die extern mit maximal sieben Kilowatt geladen werden. 

Innen geht es spartanisch zu, denn statt eines zentralen Bildschirms werden alle Informationen auf einem digitalen Panel vor dem Fahrer dargestellt, wobei sic h der Innenraum nach Kundenwunsch mit einer Kombination aus Karbon und Alcantara individualisieren lässt, während die fehlenden Dämmungen dafür sorgen, dass der Verbrenner nicht nur bei hohen Drehzahlen wild ins Innere des Sportwagens brüllt. Da Ablagemöglichkeiten fehlen, empfiehlt es sich, eine Jacke mit Taschen mitzubringen, die man hinter dem Sitz verstauen kann, falls der Beifahrersitz besetzt ist. Der vordere Kofferraum fasst gerade einmal 169 Liter. Leider fehlt dem Ferrari nach wie vor ein automatisches System zum Anheben der Fahrzeugfront besitzt. Entwicklungsleiter Rafale De Simone: „Es wäre nützlich und es wäre denkbar, aber die Herausforderung besteht darin, das Auto nicht schwerer zu machen.“ Daher bleibt es lästig, ständig den Knopf zum Anheben der Fahrzeugfront drücken, wenn es Unebenheiten gibt, da sich diese bei 35 km/h automatisch absenkt.

Endlich trocknet der Asphalt ab und es geht ins überfällige Eintauchen in den Grenzbereich: Klar, der Motor brüllt und schiebt, doch zunächst begeistert die ultrapräzise Lenkung, die direkt reagiert und gerade einmal 1,75 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag benötigt. Allerdings fehlen die Unterschiede in der Lenkung über die verschiedenen Fahrmodi hinweg. Doch Rafale de Simone unterstreicht, dass sich der Fahrer sicher fühlt und die wichtigsten Bedienelemente des Fahrzeugs – Lenkung, Motorsteuerung und Bremsen – stets gleich reagieren. Was jedoch variiert, ist die maximale Leistung bei voller Beschleunigung je nach Fahrmodus sowie die Menge der zurückgewonnenen Energie. Die Batterie wird so oft wie möglich aufgeladen, damit die Energie genutzt werden kann, wenn sie benötigt wird. Der Elektroantrieb dient im Wesentlichen dazu, leise anzufahren, ohne die Nachbarn zu wecken oder für diskrete Citytouren. Wichtiger dürfte vielen Piloten jedoch der maximale Schub in Kombination mit dem Benziner sein. Dieser kann zugeschaltet werden, in dem die Fahrmodi des normalen Manettinos nicht funktionieren. Doch was soll ein Speciale auf der Straße, denn so richtig wohl fühlt sich der heiße 296er nur auf der Piste. Hier glänzt er mit schamlosem Schub und der Fahrer genießt, dass das Speciale-Fahrwerk die  Unebenheiten im urbanen Alltag nicht ausgleichen muss. Hier auf der Piste will niemand Stille – der 296 soll brüllen. Das kann er – und wie!

Die Vorderachse wirkt dabei, wie auf den Asphalt geklebt. Einlenken – ein Genuss. Der Schub beim Herausbeschleunigen aus der Kurve – spektakulär. Immer wieder und wieder und gleich noch einmal. Dieser Schub ist einfach überwältigend. Wen interessiert der Imagespurt auf Tempo 100 oder 200, wenn er auf der Rennstrecke derart strahlen kann. Über 330 km/h Spitze – okay, das war zu erwarten. Aber das neutrale Fahrverhalten – ein Hochgenuss mit Suchtpotenzial. Dabei sind die Gangwechsel kernig – blitzschnell. Die E-Leistungsschübe machen das Ganze noch aufregender und wenn die Räder nach der Kurve wieder gerade stehen, geht es voll aufs Gas. Was eine Schau!

Muss man sich deswegen den 407.000 Euro teuren 296 Speciale gönnen, der ohnehin schon ausverkauft ist? Schließlich bietet der normale Ferrari 296 GTB 90 Prozent des Fahrspaßes für mehr als 100.000 Euro weniger. Wie so oft im Leben – es kommt darauf an. Doch es geht eben auch um Exklusivität und nicht allein um Performance.

Technische Daten: Ferrari 296 Speciale

  • Motor: V6 Turbo mit Elektromodul
  • Hubraum: 2992 ccm
  • Leistung: 647 kW / 880 PS
  • Max. Drehmoment: 755 Nm / 6.0000 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 2,8 Sekunden / – 200 km/h: 7,0 Sekunden
  • Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
  • Normverbrauch: noch unbekannt
  • Antrieb: Hinterrad
  • Akku: 7,45 kWh
  • Preis: 407.000 Euro

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