MGS6 EV Long Range RWD

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VonJoaquim Oliveira

16. März 2026

China-Transformation

Chinesische Hersteller wollten den europäischen Automarkt lange Zeit über den Preis erobern. Das klappte jedoch nur eingeschränkt. Heute wollen einige Marken mehr bieten als günstige Konditionen allein. Bestes Beispiel ist das neue Topmodell des MG S6.

Saic-Ableger MG will in den kommenden Wochen bekanntgeben, wo er sein erstes Europa-Werk errichten wird. Damit folgen die Chinesen dem Beispiel von BYD (Ungarn), Chery (Spanien) und Leapmotor (Spanien), die demnächst mit der Montage verschiedener Modelle auf dem alten Kontinent beginnen. Parallel wird schrittweise das komplette Modellangebot überarbeitet; angefangen mit dem neuen Top-SUV S6, der den bisherigen Marvel R ablöst. Der 4,71 Meter lange, vollelektrische S6 ist in zwei Versionen erhältlich: als Long-Range-Version mit Hinterradantrieb, 180 kW / 245 PS / 350 Nm (Permanentmagnetmotor) und als Allradversion mit 266 kW / 362 PS / 540 Nm. Die Basisversion bietet mit seinem Normverbrauch von 16,6 kWh / 100 km eine Reichweite von 530 Kilometern, beschleunigt in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht wie der Allradler eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Durch den zweiten Elektromotor an der Vorderachse reduziert sich die Reichweite des S6 AWD auf 485 Kilometer. Aus dem Stand geht es in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 und der Normverbrauch liegt bei 18,1 kWh. Nicht auf der Höhe des Wettbewerbs ist bei beiden Versionen die Ladegeschwindigkeit, denn selbst mit der 400-Volt-Technik kann das 77 kWh große Akkupaket nur mit maximal 144 kW nachgetankt werden. Auch an einer Wallbox oder einem AC-Lader ist bei 11 kW Schluss. 

Der MG GS6 EV hat eine modern wirkende Karosserie, die sich jedoch kaum von anderen chinesischen Konkurrenten unterscheidet. Der Crossover basiert auf der sogenannten Modular Scalable Platform mit McPherson-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse. Serienmäßig sind Räder im Format 245/45 R20 verbaut, da beide S6-Varianten ausschließlich in der edlen Luxury-Ausstattung erhältlich sind. Das Interieur wirkt dabei fast so unpersönlich wie das Exterieur, auch wenn keine offensichtlichen Mängel erkennbar sind. Die Konfiguration ist die übliche, die man heutzutage in vielen Elektro-Crossovern findet: zwei Bildschirme mit Diagonalen von 10,25 und 12,8 Zoll, eine Mittelkonsole mit Ablagefach zum kabellosen 50-Watt-Laden von Mobiltelefonen sowie einer große Ablagefläche mit zwei USB-C-Anschlüssen und einer 12-Volt-Steckdose. Auf dem guten Head-up-Display werden allerdings keine Navigationsinformationen angezeigt, wenn diese von einem angeschlossenen Smartphone stammen.

Die Sitze sowie Teile der Tür- und Armaturenbrettverkleidungen sind ebenso wie die klimatisierten Sitze mit Kunstleder und Alcantara bezogen, während weiter unten wie bei vielen Wettbewerbern unschönes Hartplastik verbaut ist. Die Türablagen sind vorne wie hinten mit Gummi ausgekleidet, ebenso das Fach zwischen den Vordersitzen. Um den Lichteinfall und die Wärmeentwicklung im Innenraum zu reduzieren, gibt es ein festes Panorama-Schiebedach mit flexibler Lamelle, die sich per Knopfdruck öffnen und schließen lässt. An Platz mangelt es diesem SUV nicht, denn der MG S6 gehört zu den größten Modellen seiner Klasse und bietet selbst 1,90 Meter großen Personen problemlos Platz in der ersten und zweiten Reihe. Der bis zu 674 Liter große Laderaum lässt sich nicht nur durch Umklappen der Rücksitze, sondern auch durch den Frunk erweitern. Der kleine Kofferraum unter der Fronthaube ist bei der Version mit Hinterradantrieb (124 Liter) größer ist als in der 4×4-Version (102 Liter).

Zum Starten müssen keine Knöpfe gedrückt werden und nach dem Einstellen von Außenspiegel und Lenksäule genügt es, das Bremspedal zu betätigen und es geht los. Die Fahrmodusauswahl befindet sich am Lenkrad und kann auch über den zentralen Bildschirm vorgenommen werden. Es fällt im Fahrbetrieb schnell auf: der neue MG ist ein leiser Crossover, da der Innenraum gut gegen Außengeräusche isoliert ist, obwohl die Türscheiben nicht doppelverglast sind. Auch auf unebenen Straßen mit größeren Schlaglöchern oder Bodenwellen bleibt die Karosserie betont stabil, ohne dass störende Geräusche in den Innenraum dringen. Das Fahrverhalten des heckgetriebenen S6 ist betont ausgewogen; er lässt in Kurven das Heck sogar kalkulierbar ausbrechen und sorgt so für echten Fahrspaß. Die Lenkung selbst fühlt sich nie zu leicht an und ihre Anpassungsfähigkeit ist beim Wechsel zwischen den einzelnen Fahrmodi spürbar. Das Bremspedal unterstreicht den positiven Eindruck der Fahrdynamik des MG S6 und reagiert vom Anfahren an linear.

Der MG S6 wird in Europa nur in der Luxury-Topversion zu Preisen ab 49.900 Euro angeboten. Zur Serienausstattung gehören 20-Zoll-Leichtmetallfelgen, Panorama-Schiebedach, klimatisierte Sitze, Head-up-Display sowie eine elektrische Heckklappe nebst Multimediasystem, das mit Apple CarPlay und kabellosem Android Auto kompatibel ist. MG hat für dieses Fahrzeug außerdem eine App namens iSMART entwickelt. Sie ermöglicht es Nutzern, Fahrzeugdaten wie Reichweite oder Reifendruck in Echtzeit abzurufen oder den Innenraum vorzuklimatisieren. Die Allradversion ist 4.000 Euro teuer. Damit ist das neue Topmodell von MG teurer als vergleichbare Alternativen wie Skoda Enyaq (ab 49.000 €), Volkswagen ID.5 (45.000 €) oder das Tesla Model Y (40.000 €); aber auch seine Landsleute BYD Seal U (41.990 €), Changan Deepal S07 (45.000 €) oder Leapmotor C10 (39.000 €) sind günstiger.

Technische Daten: MG S6 RWD

  • Motor: Elektro, Heck
  • Leistung: 180 kW / 245 PS
  • Max. Drehmoment: 350 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,3 Sekunden
  • Normverbrauch: 16,6 kWh
  • Batteriepaket: 77 kWh (74 kWh nutzbar)
  • Laderaum: 674 – 1.910 Liter – plus 124 Liter Frunk
  • Leergewicht: 1.908 kg
  • Preis: ab 49.900 Euro

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