Aus gestern wird morgen
Renault legt seinen Twingo neu auf. Noch schicker als in den 1990ern und diesmal natürlich als Elektroversion. Ein derart cooles Stadtauto für unter 20.000 Euro bietet derzeit kein anderer.
1992 überraschte Renault mit der Einführung eines Kleinwagens, der als Twingo zu einem Bestseller wurde. Über die Jahrzehnte verlor dieser jedoch seinen Charme und erlebt nun schicker denn je seine Wiederauferstehung als Elektroauto. Nach 34 Jahren und mehr als vier Millionen verkauften Einheiten erfindet sich der Twingo in seiner vierten Generation neu. Er vereint die Philosophie des Originals mit der RGEV-Plattform, die bereits Renault 4 / 5 beheimatet. Eine kleinere Batterie mit geringerer Energiedichte (Lithium-Eisenphosphat) sorgt für einen Einstiegspreis unter 20.000 Euro. „Die deutliche Reduzierung der Bauteilanzahl war ebenfalls wichtig: von den üblichen 1.200 oder 1.300 Teilen in den Vorgängermodellen auf nur noch 720 im neuen Twingo“, erklärt Bruno Vanel von der Renault-Entwicklungsabteilung. Damit nicht genug. 2023 fragte der damalige Renault-CEO Luca De Meo sein Team, ob es möglich sei, ein komplettes Auto in 100 Wochen zu entwickeln – der Hälfte der üblichen Zeit. Die einhellige Antwort der Ingenieure: „unmöglich.“ Da er wusste, dass die Automobilindustrie in China in einem atemberaubenden Tempo arbeitet, beschloss der Italiener, dieselbe Frage mehreren chinesischen Zulieferern zu stellen und bekam eine andere Antwort: „kein Problem.“

So gründete Renault in Shanghai eine Entwicklungsabteilung für elektrische Stadtautos, in der zunächst Renault Twingo, Dacia Spring und ein Elektromodell für Nissan entwickelt werden sollte. Die neue Abteilung ACDC – Ampere China Development Center – und kreierte unter der Leitung von zwei französischen und zwei chinesischen Verantwortlichen sowie hundert Ingenieuren das Turbo-Projekt. Zwei Jahre nach Projektbeginn war der Twingo fertiggestellt und die gewonnenen Erkenntnisse fließen in alle zukünftigen Modelle des Renault-Konzerns ein. Der neue Twingo kann sich sehen lassen, denn der 3,79 Meter lange Stadtflitzer kombiniert gestern, heute und morgen noch gekonnter als der erfolgreiche Renault 5. Trotz seiner überschaubaren Abmessungen und einem Radstand von gerade einmal 2,49 Meter, lassen sich die Fondsitze um 17 Zentimeter nach vorn verschieben, um je Beinfreiheit oder Kofferraumvolumen zu optimieren. Das gab es ebenso bereits im 1992er-Twingo wie die umklappbare Rückenlehne des Beifahrersitzes, wodurch eine zwei Meter lange Ladefläche entsteht.
Wie schon damals profitiert der Twingo E-Tech von seinem Innenraum. Dessen positive Atmosphäre wird durch bunte Kunststoffeinsätze an Türen sowie Armaturenbrett noch verstärkt und harmoniert perfekt mit der Außenfarbe. Natürlich fühlen sich die Materialien dem Marktsegment entsprechend etwas hart an, doch die Verarbeitung wirkt solide. Der Deckel des Handschuhfachs schließt sanft, die Ablagefächer zwischen den Vordersitzen sind mit gummierten Kunststoffeinsätzen versehen und die Klimabedienelemente haben eine ansprechende Metalloberfläche, obwohl ihre Befestigung nicht ganz so fest sitzt wie bei anderen Renault-Modellen.

Zudem bietet der Twingo-Innenraum ein digitales Instrumentenpanel (7 Zoll) und einen zentralen Infotainment-Bildschirm mit einer Diagonale von zehn Zoll, der mit den bekannten Google-Funktionen ausgestattet ist. Damit ist der Franzose das fortschrittlichste Modell in seinem Segment und stellt Firefly, BYD Dolphin Surf oder einen Leapmotor T03 in den Schatten. Gefallen kann das Platzangebot im Innern, denn hier können je nach Körpergröße bis zu vier Personen Raum finden. Die Beinfreiheit im Fond ist für Passagiere bis zu einer Körpergröße von 1,80 Metern ausreichend, wenn die Sitze um 17 Zentimeter nach hinten geschoben werden. Aufgrund der hohen Position der beiden Rücksitze stoßen größere Personen jedoch schnell mit dem Kopf an den Dachhimmel. Das Kofferraumvolumen variiert je nach Position der Rücksitze zwischen 205 und 305 Litern. Die Trennwand im Kofferraumboden ist nützlich, da sie die Aufbewahrung von Gegenständen ermöglicht und den Zugriff zum Beispiel auf ein Ladekabel erleichtert.
Der Renault Twingo ist mit seinem 60 kW / 82 PS starken Elektromotor in erster Linie für die Innenstadt gedacht. Daher ist die Batteriegröße mit 27,5 kWh ebenso überschaubar wie die mögliche Reichweite von 260 Kilometer. Wenn es dann doch einmal auf die Autobahn gehen sollte, dann sind bis zu 130 km/h Spitze drin, die mehr erfreuen als das müde DC-Ladetempo von 50 kW. An einer Wallbox sind ebenfalls nur 6,6 kWh drin – das ist zu wenig. Im Stadtverkehr überzeugt der kleine Wendekreis von 9,8 Metern ebenso wie die sogenannte One-Pedal-Fahrfunktion, die das Bremspedal fast arbeitslos macht. Praktisch: am Lenkrad lassen sich die verschiedenen Stufen der Bremsenergierückgewinnung einstellen.

Auf kurvenreichen Strecken punktete der Twingo mit seiner leichtgängigen Lenkung, die zum Citycharakter passt. Die Lenksäule ist höhen- und längsverstellbar, was in diesem Fahrzeugsegment nicht selbstverständlich ist und gäbe es noch ein kleineres Steuer, wäre der gute Gesamteindruck noch besser. Verschiedene Fahrmodi fehlen in dieser Einsteigerklasse niemandem. Dass die Hinterachse mit ihrer starren Konstruktion bei zerborstener Straße viele Unebenheiten in den Innenraum weitergibt, ist in diesem Fahrzeugsegment ebenfalls zu verschmerzen. Da schlagen sich die komfortableren 16-Zöller besser als die die schickeren 18-Zöller.
Technische Daten: Renault Twingo E-Tech
- Motor: Elektro, vorn
- Leistung: 60 kW / 82 PS
- Max. Drehmoment: 175 Nm
- Batteriepaket: 27,5 kWh
- Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 12,1 Sekunden
- Leergewicht: 1.220 kg
- Reichweite: 263 km
- Normverbrauch: 12,2 kWh / 100 km
- Ladegeschwindigkeit: 50 kW
- Kofferraum: 205 – 966 Liter
- Preis: 19.990 Euro













