Reportage: The Quail und die Supercars von Pebble Beach 2026

Von 783 kW im Lamborghini Revuelto SV bis zum Einzelstück von Porsche: Die wichtigsten Neuheiten der Monterey Car Week 2026 im Überblick.

Ein Rasen, ein Dutzend Weltpremieren

Die Monterey Car Week gilt als das wichtigste Schaufenster für Kleinserien und Einzelstücke der Autoindustrie. Nirgendwo sonst versammeln sich in einer einzigen Woche so viele limitierte Modelle, Hypercars und Umbauprojekte wie rund um den Concours The Quail – a Motorsports Gathering. 2026 reicht das Spektrum von Zwölfzylinder-Hybriden bis zum vollelektrischen Familien-SUV.

Wer beim Begriff Concours zunächst an museale Oldtimer denkt, irrt bei The Quail gewaltig: Hier stehen aktuelle Weltpremieren im Mittelpunkt, und praktisch jeder relevante Hersteller nutzt die Bühne für eine eigene Enthüllung. Der folgende Überblick ordnet die wichtigsten Neuvorstellungen technisch ein.

Lamborghini Revuelto SV: Der Zwölfzylinder mit drei Helfern

Lamborghini präsentierte in diesem Jahr den Revuelto Super Veloce, kurz SV. Der Zwölfzylinder-Sauger wird von drei Elektromotoren unterstützt und kommt zusammen auf 783 kW beziehungsweise 1.065 PS. Das Drehmoment liegt bei 1.425 Nm. Damit beschleunigt das Hypercar in 2,4 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 345 km/h. Individualisierung ist über das hauseigene Ad-Personam-Programm nahezu unbegrenzt möglich. Der Einstiegspreis liegt bei über 580.000 Euro – für Pebble-Beach-Verhältnisse vergleichsweise moderat.

Aston Martin Valen: Stärkster Frontmotor-Sportwagen der Firmengeschichte

Aston Martin stellte mit dem Valen einen komplett neuen Namen vor. Basis ist die bekannte V12-Plattform der Briten, bestückt mit einem 5,2-Liter-Zwölfzylinder, der 850 PS und 1.000 Nm Drehmoment leistet. Damit ist der Valen der stärkste Frontmotor-Sportwagen der 113-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Produktion ist auf 150 Fahrzeuge limitiert, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 345 km/h. Der Preis: 1,8 Millionen Euro.

Audi Nuvolari: Limitierter R8-Nachfolger mit Lamborghini-Technik

Erstmals seit vielen Jahren zeigte sich Audi wieder auf der Monterey Car Week – mit dem Nuvolari, dem streng limitierten Nachfolger des R8. Technisch ist der Mittelmotorsportler eng mit dem Lamborghini Temerario verwandt und wird als Powerhybrid mit 736 kW beziehungsweise 1.001 PS angeboten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 350 km/h. Audi begrenzt die Auflage auf 499 Einheiten zum Preis von 590.000 Euro. Der Marktstart ist noch für dieses Jahr geplant, die Auslieferung beginnt Anfang 2027.

BMW Alpina Concept Coupé: US-Debüt für die neue Submarke

BMW Alpina zeigte mit dem Concept Coupé in Pebble Beach seinen ersten großen Auftritt in den USA. Die Weltpremiere hatte der Zweitürer bereits im Frühjahr beim Concorso d’Eleganza am Comer See gefeiert. In Kalifornien erwartet die Marke besonders viele potenzielle Kunden, da dort sowohl BMW M als auch die neue Submarke BMW Alpina auf eine große Fangemeinde treffen. Offen bleibt, ob das Coupé Konzept bleibt oder neben hybriden Alpina-Versionen von 7er und X7 tatsächlich in Serie geht.

Brabus Bodo und Porsche Flachbau RS: Zwei Hommagen an Firmengeschichte

CEO Constantin Brabus enthüllte in Pebble Beach den Brabus Bodo als offene Cabrio-Variante des bereits bekannten Coupés. Beide Modelle basieren auf der Plattform des Aston Martin Vanquish und werden von einem 5,2-Liter-V12 mit 1.000 PS angetrieben, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 360 km/h. Der Name ist eine Reminiszenz an den verstorbenen Firmengründer Bodo Buschmann, die Lackierung hält einen blassen Seidenton.

Porsche wiederum zeigte mit dem Flachbau RS ein Einzelstück, das an den legendären Porsche 935 erinnert, besser bekannt unter dem Spitznamen Moby Dick. Ein Kunde wünschte sich für seinen 911 GT2 RS mehr Leistung sowie die klassische Flachbau-Optik, kombiniert mit dem Heckflügel des Rennsportmodells 911 GT3 R. In Zusammenarbeit mit Manthey entstand ein strassenzugelassenes Sammlerstück in Grandprixweiss, mit neu geformten Kotflügeln und der flachen Front des Le-Mans-Rennwagens 935/78.

Weitere Neuheiten: Von Ferrari bis Lucid

Ferrari zeigte abseits der eigenen Kundenevents den CZ26, ein im Rahmen des Progetti-Speciali-Programms entstandenes Einzelstück. Entworfen wurde der Wagen vom hauseigenen Designstudio unter Flavio Manzoni für einen US-amerikanischen Kunden und interpretiert das Konzept der supersportlichen Berlinetta durch eine reduzierte, technologische Formensprache neu.

Deutlich mehr Leistung bringt der Bugatti Dernier mit: Sein Achtliter-W16-Triebwerk mobilisiert 1.600 PS. Auch die Studie des Cadillac V-One Concept mit Anleihen am diesjährigen Le-Mans-Renner, der offene Morgan Supersport, der Kimera K39 sowie der Hennessey Blackbird sorgten für Aufsehen. Der neueste Hypersportler aus dem Hause Hennessey leistet 850 PS, erreicht über 340 km/h und kostet mehr als 2,5 Millionen US-Dollar.

Einen völlig anderen Weg schlägt Lucid mit dem Gravity GT-S ein: Die stärkste Version des elektrischen SUV bietet drei Sitzreihen für bis zu sieben Personen in klimatisierten Ledersitzen, leistet 1.070 PS und beschleunigt in gut drei Sekunden auf Tempo 100. Handling-Paket, Luftfederung und Hinterachslenkung sollen die Fahrdynamik trotz Familienformat sichern.

Kompakte Sportwagen: Gunther Werks GXR-Evo und Ruf Ehra

Reinen Fahrspass ohne Elektrifizierung bietet der Gunther Werks GXR-Evo, der schnellste je gebaute Gunther. Der Zweisitzer wird von einem saugenden Vierliter-Boxermotor angetrieben, der 455 PS bei 9.000 Umdrehungen pro Minute leistet.

Ähnlich analog tritt der Ruf Ehra an: Ein 3,6-Liter-Turbo-Boxer mit 650 PS überträgt seine Kraft auf alle vier Räder, die Karosserie folgt im Breitbau-Design dem klassischen Elfer-Stil der Porsche-Baureihe 964. Firmenchef Alois Ruf kommentierte die Präsentation so: „Der Ehra ist ein ganz besonderes Auto für uns, und wir freuen uns unglaublich, ihn endlich der Welt präsentieren zu können. Jedes Jahr bringt uns The Quail unseren Freunden, Fans und Kunden näher, und dieses Jahr übergeben wir eine bemerkenswerte Auswahl neuer Fahrzeuge an ihre neuen Besitzer.“

McLaren McL 6GT: Verspätete Hommage an Bruce McLaren

Zum Abschluss zeigte McLaren im Rahmen der Monterey Car Week 2026 den McL 6GT, eine zeitgemäße Interpretation des M6GT – jenes ursprünglichen, aber nie vollendeten Supersportwagen-Traums von Bruce McLaren. Der McL 6GT kombiniert eine leichte Karbonfaser-Konstruktion mit einem V8-Verbrennungsmotor und einem Handschaltgetriebe, das die Kraft an die Hinterräder überträgt.

Technische Daten: Ausgewählte Highlights von The Quail 2026

  • Lamborghini Revuelto SV: 783 kW / 1.065 PS, 1.425 Nm, 0–100 km/h in 2,4 s, 345 km/h, ab 580.000 Euro
  • Aston Martin Valen: 850 PS, 1.000 Nm, 345 km/h, 150 Einheiten, 1,8 Mio. Euro
  • Audi Nuvolari: 736 kW / 1.001 PS, über 350 km/h, 499 Einheiten, 590.000 Euro
  • Brabus Bodo Cabrio: 5,2-Liter-V12, 1.000 PS, 360 km/h
  • Hennessey Blackbird: 850 PS, über 340 km/h, über 2,5 Mio. US-Dollar
  • Bugatti Dernier: Achtliter-W16, 1.600 PS
  • Lucid Gravity GT-S: 1.070 PS, 0–100 km/h in gut 3 s, drei Sitzreihen, sieben Personen
  • Gunther Werks GXR-Evo: Vierliter-Saugboxer, 455 PS bei 9.000/min, zwei Sitze
  • Ruf Ehra: 3,6-Liter-Turbo-Boxer, 650 PS, Allradantrieb, Karosserie im Stil der Baureihe 964
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